SEO-Tools für Einsteiger:innen

SEO-Tools gibt es viele – doch welches eignet sich für welchen individuellen Anwendungsfall? Vor allem für Neueinsteiger:innen kann der Markt schnell unübersichtlich werden. Wir wollen in diesem Artikel einen Überblick über die verschiedenen Arten von sowohl kostenfreien als auch kostenpflichtigen Tools geben und so bei der richtigen Auswahl unterstützen.

Anforderungen und Ziele

Im ersten Schritt sollten Anforderungen und Ziele an zukünftige Tools genau definiert werden. Daraus leitet sich entsprechend ab, was das Tool auf jeden Fall können und welcher Bedarf möglichst optimal erfüllt werden sollte. Zudem sollten sich Einsteiger:innen zunächst einen Überblick über die verschiedenen Tool-Arten und deren Möglichkeiten verschaffen.

So bieten All-in-one-Tools bzw. Suiten ein umfassendes Leistungsspektrum und bilden Themen aus verschiedenen SEO-Disziplinen ab. Hier ist es beispielsweise möglich, Rankings zu verfolgen, Backlinks zu untersuchen und Keywords zu recherchieren. Beispiele für solche SEO-Suiten sind SISTRIX, ahrefs, Searchmetrics und SEMrush. Darüber hinaus gibt es spezialisierte Tools, die nur für einen bestimmten Anwendungszweck entwickelt wurden. Dazu gehören sowohl Crawling-Tools wie Screaming Frog oder DeepCrawl als auch Keyword-Recherche-Tools wie Ubersuggest und keywordtool.io.

So sollten Einsteiger:innen am Anfang nicht nur definieren, wofür sie das Tool konkret nutzen wollen, sondern sich auch Fragen hinsichtlich der Definition von Anforderungen und Zielen stellen. Dabei helfen kann die nachfolgende Checkliste:

Checkliste der Anforderungen und Ziele

  1. Welche Daten werden benötigt? Welche Informationen soll das Tool liefern?
  2. Welche SEO-Bereiche (Onpage, Offpage, Content etc.) sollen von dem Tool abgedeckt werden?
  3. Welche Expertise ist bereits vorhanden?
  4. Soll das Tool mehrere Länder abdecken? Welche?
  5. Sollen mehrere Projekte und ggf. sogar Kund:innen verwaltet werden können?
  6. Muss das Tool Märkte abdecken, zu denen nicht alle Tools ausreichend Informationen bieten?
  7. Ist eine visuelle Aufbereitung der Daten wichtig oder reichen z. B. CSV-Exports?
  8. Falls es bereits vorhandene Tools gibt, werden diese nur ergänzt oder sogar ersetzt?

Nicht jedes Tool eignet sich für jede Person

Auf der Suche nach der passenden Software-Lösung, sollte man sich stets bewusst sein, dass es keine „One fits all“-Variante gibt: SEO-Softwares gibt es in allen Größen- und Preiskategorien.

Zusätzlich macht es einen Unterschied, ob man als Einzelunternehmer:in, Inhouse-SEO-Spezialist:in oder als Agentur-Mitarbeiter:in ein SEO-Tool sucht, da die Bedürfnisse hier sehr unterschiedlich sein können. So ist es zum Beispiel für Einzelunternehmer:innen essenziell, mit All-in-One-Tools (Suiten) mehrere Kund:innen verwalten und analysieren zu können, während Inhouse-SEOs meist nur für ein Projekt bzw. eine oder wenige Webseiten verantwortlich sind.

Personen, die internationale Projekte betreuen, sollten zudem darauf achten, dass das entsprechende Land auch im Tool abgedeckt wird.

Vorhandene Expertise und Zeitaufwand

Wie viel fachliche Expertise ist bereits im Unternehmen vorhanden? Hier sollte eine realistische Einschätzung vorgenommen werden, da das benötigte Know-how von Tool zu Tool variiert. Da Suiten wie SISTRIX und SEMrush ausführliche Erklärungen zu Funktionen und Auswertungen bieten, eignen sich diese in der Regel auch gut für Anfänger:innen.

Mehr fachliches Wissen erfordern hingegen eher technisch orientierte Tools wie Screaming Frog und DeepCrawl: Hier liegt die Interpretation der Daten nahezu vollständig bei den Nutzenden. Weiterhin liefern Crawling- und Technical-Health-Tools, wie Sitebulb, der SISTRIX Optimizer oder Ryte bereits eine Interpretation der Ergebnisse. Allerdings sollte man die Auswertungen dennoch stets hinterfragen und überprüfen.

Grundsätzlich sollte sich der Leistungsumfang auch danach richten, wie viele Personen ein Tool nutzen werden und wie viel Zeit sie dafür aufbringen können. Denn: Eine einzelne Person wird voraussichtlich nicht ganz so viel Zeit in Tools investieren wie beispielsweise ein fünfköpfiges Team.

Erfolgsmessung im SEO

Da sich bei SEO am Ende alles um die organische Sichtbarkeit dreht, soll mit den verschiedenen Tools natürlich auch der Erfolg in der Suchmaschinenoptimierung sichtbar gemacht werden können. So lässt sich die organische Sichtbarkeit anhand der durchschnittlichen Position eines Keywords und dessen durchschnittlichen monatlichen Suchvolumens messen: Wie viele Nutzende können potenziell mit einem Keyword ‒ basierend auf dessen aktueller Position – monatlich erreicht werden? Werden diese Werte für alle Keywords aggregiert, zu denen eine Webseite rankt, erhält man die organische Sichtbarkeit.

Sichtbarkeitsindizes

Für die Erstellung einer Sichtbarkeitskennzahl, die die Entwicklung der organischen Sichtbarkeit abbilden soll, greifen auch Tool-Anbieter auf diese Berechnung als Grundlage zurück. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Sichtbarkeit in diesem Kontext nicht mit Traffic gleichzusetzen ist.

Abbildung 1: SISTRIX-Sichtbarkeitsindex am Beispiel von notebooksbilliger.de

Hinzu kommt, dass der Sichtbarkeitsindex nicht immer 1:1 widerspiegeln muss, wie stark eine Webseite in ihrem Bereich wirklich ist. Das liegt daran, dass jeder Tool-Anbieter bei der Ermittlung des Sichtbarkeitsindex mit einem eigenen Keyword-Set arbeitet, für das regelmäßig die Ranking-Positionen abgefragt werden. Da es sich dabei jedoch um einen „Rundumschlag“ an Keywords handelt, der nicht alle Schlüsselbegriffe bis ins kleinste Detail abdeckt, kann es vor allem bei Nischenthemen und kleineren Webseiten vorkommen, dass der Sichtbarkeitsindex sehr niedrig ist.

Abbildung 2: Darstellung der organischen Sichtbarkeit bei Searchmetrics am Beispiel von ebay.de

SEO-/Traffic-Value

Bei einigen Tools stößt man zudem auf Kennzahlen wie SEO-Value oder Traffic-Value. Diese Kennzahlen sollen deutlich machen, wie viel es kosten würde, den aktuellen SEO-Traffic über Ads einzukaufen. In der Regel gilt für den SEO-Traffic als Bemessungsgrundlagen die durchschnittliche Position und das monatliche Suchvolumen eines Keywords sowie die durchschnittliche Click-Through-Rate (CTR) aufgrund der Rankingposition. Um den Wert des Traffics zu erhalten, wird die Messung um die durchschnittlichen Klickpreise (CPC) aus Google Ads für die einzelnen Keywords ergänzt. Wichtig zu beachten: Es ist nicht immer ganz eindeutig, woher die Anbieter die verwendeten CPC nehmen, weshalb die erhaltenen Werte auch nur als Richtwert interpretiert werden sollten.

Typische Features

Bei der Suche nach den passenden SEO-Tools kann man schnell den Überblick verlieren. Daher stellen wir im Folgenden einige gängige Funktionen von Tools vor, die einzelne Bereiche der Optimierung abdecken und bei der nachhaltigen Verbesserung der organischen Sichtbarkeit unterstützen sollen.

Keyword-Recherche

Zwar sind in dem Großteil der Tools Keyword-Recherchen enthalten, allerdings gibt es auch spezialisierte Angebote und sogar kostenfreie Optionen, die man nicht außer Acht lassen sollte. So eignet sich zum Beispiel der Google Keyword Planner gut als kostenfreies Tool zur Recherche von Keywords. Wer zusätzlich regelmäßig Ads schaltet, erhält hier auch das monatliche Suchvolumen der Keywords relativ genau.

Ebenfalls bekannt ist Ubersuggest. Die kostenlose Version des Tools ermöglicht Nutzenden drei Suchanfragen pro Tag, bevor ein Upgrade nötig wird.

Abbildung 3: Keyword-Recherche mit Ubersuggest

Relativ genaue Suchvolumina und die Möglichkeit der Suche nach zusammenhängenden Suchanfragen oder auch Fragestellungen, finden sich bei keywordtool.io. Das Tool zählt zwar nicht gerade zu den günstigsten, eignet sich aber gut für alle, die keine SEO-Suite brauchen und für viele Kanäle Keywords recherchieren wollen.

Abbildung 4: Keyword-Recherche mit keywordtool.io

Das KWFinder-Tool ist insgesamt etwas preiswerter, eignet sich allerdings nur für eine Abfrage von deutlich weniger Keywords pro Tag. Möchte man hier mehrerer Keywords abfragen, steigt der Preis pro Keyword direkt und liegt sogar deutlich höher als z. B. bei keywordtool.io.

Keyword-Monitoring

Nur wer Optimierungen für die Suchmaschine sichtbar macht, kann den Erfolg der eigenen Strategie richtig überprüfen und entsprechend Verbesserungen vornehmen. Aus diesem Grund ist auch ein Keyword-Monitoring essenziell für jedes Projekt und jede Webseite und sollte für das geplante Keyword-Set aufgesetzt werden, sobald die Keyword- und Content-Strategie steht. Um die Entwicklung der Keywords besser nachvollziehen zu können, sollte man zudem Vergleichsdaten vor Beginn der Optimierungen sichern. Da bestehende Webseiten in der Regel bereits für einige relevante Keywords ranken, spielt dieser Status quo bei der Messung von Veränderungen eine wichtige Rolle.

Eine im Vergleich recht preiswerte Lösung zum Tracken von Keyword-Sets bietet zum Beispiel das Tool AccuRanker, mithilfe dessen Keywords auch mit Tags versehen und so leicht geclustert werden können. Zusätzlich kann mit dem Tool überprüft werden, ob die gewünschte URL für das Keyword ausgespielt wird und auch ein Vergleich mit initial festgelegten Wettbewerbern ist hier möglich. Wem also ein reines Monitoring von Keywords ohne weitere Funktionen genügt, ist mit dem AccuRanker gut bedient.

Abbildung 5: Keyword-Monitoring mit AccuRanker

Ähnliche – und weitere – Funktionen lassen sich aber auch bei den SEO-Suiten finden: So bietet beispielsweise der SISTRIX Optimizer die Möglichkeit, für ein ausgewähltes Keyword-Set ein Projekt-Sichtbarkeitsindex zu erstellen.

Content

Etwas komplexer gestaltet sich die Tool-Suche im Content-Bereich: Wem die Keyword-Recherche und das Monitoring nicht genug ist, landet schnell bei Content-Editoren. Den größten Leistungsumfang bei der Content-Erstellung bietet aktuell wahrscheinlich die Searchmetrics Content Experience. Das Tool ermöglicht nicht nur die Briefingerstellung für Redakteur:innen und die Bewertung bestehender Inhalte, sondern schlägt auch mithilfe von Machine Learning zugehörige Themen vor und bewertet angelegten Content in Echtzeit. Darüber hinaus kann die Searchmetrics Content Experience über ein Add-on in Microsoft Word integriert werden.

Abbildung 6: Searchmetrics Content Experience

Technical Health

Der beste Content hilft wenig, wenn eine Webseite technische Probleme aufweist, die zu deutlichen Sichtbarkeitsverlusten führen können. Aus diesem Grund sollten Webseiten fortlaufend technisch überprüft werden. Dafür bieten sich verschiedene Tools an: Klassische Crawling-Tools wie Screaming Frog, SEO Spider und Sitebulb ermöglichen die Planung regelmäßiger Crawls für Webseiten. Bei Screaming Frog müssen allerdings nahezu alle Daten manuell bewertet werden, während Sitebulb bereits eine Reihe an Hinweisen zu technischen Verbesserungen liefert.

Suiten wie SEMrush, Ryte, SISTRIX, ahrefs und Searchmetrics bieten ebenfalls eine Crawling-Funktion, mit der regelmäßige Site-Audits geplant werden können. Auch hier gibt es Hinweise auf Optimierungspotenziale mit priorisierten Handlungsempfehlungen.

Offpage-Optimierung

Auch Offpage-Metriken, wie zum Beispiel die Anzahl und Qualität der auf eine Webseite verweisenden Links, stellen wichtige Ranking-Faktoren dar. So spielen hier nicht nur das Domain-Rating der verweisenden Domain und das URL-Rating der einzelnen verweisenden Seite eine bedeutende Rolle, sondern auch die Anzahl der verweisenden Domains (Domainpopularität) sowie die Anzahl der verweisenden Seiten (Backlinks).

LinkResearchTools ist im Offpage-Bereich eines der bekanntesten Tools und findet vor allem bei spezialisierten und umfangreichen Link-Audits Anwendung. Einer der größten Vorteile des Tools ist die unterstützte Auswertung von Backlinks, die bei der Identifizierung schädlicher Links unterstützt und damit Abstrafungen vermeiden kann. Besonders Agenturen, die häufig tiefergehende Backlink-Audits vornehmen, können von der hohen Spezialisierung des Tools profitieren.

Aber auch Tools wie Majestic und ahrefs, das bekannte Tool für die Analyse von Offpage-Metriken, können sich sehen lassen. Während sich Majestic ebenfalls gut für die Analyse und Bewertung von Backlinks eignet, stellt ahrefs eine vielseitige und umfassende SEO-Suite dar, die mittlerweile auch im Onpage-Bereich mit anderen großen Playern mithalten kann.

Abbildung 7: Überblick über ein Backlink-Profil in ahrefs

Tool-Übersicht (Auswahl)

Kostenlose Google-Tools

Neben den genannten Tools bietet auch Google eine Vielzahl an kostenlosen SEO-Tools, die wertvolle Daten liefern. So profitieren SEOs von den Insights der Google Search Console und den Daten zur Performance der eigenen Webseite in der organischen Suche. Was diese Daten so besonders macht, ist die Tatsache, dass sie direkt von der Suchmaschine selbst kommen und nicht über ein externes Tool gesammelt werden.

Ebenfalls in der Basis-Version kostenlos und für die meisten Anwendungszwecke ausreichend ist Google Analytics. Allerdings sollte man bei sehr großen Webseiten oder Online-Shops eher auf das kostenpflichtige Google Analytics 360 setzen.

Obwohl das Google Data Studio kein SEO-Tool ist, so stellt es doch eine große Hilfe im Online Marketing dar. Die Visualisierung von Daten in Dashboards und die Möglichkeit, diese beispielsweise als Live-Reports aufzubereiten, kann durchaus eine Unterstützung sein. Zwar gestaltet sich die Einrichtung der Dashboards relativ intuitiv, dennoch sollten ausreichende Kenntnisse über die eingebundenen Tools und die verwendeten Metriken vorhanden sein, um gewährleisten zu können, dass die dargestellten Daten auch wirklich valide sind.

Auswahl kostenfreier Google-Tools:

Fazit

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es kein allumfassendes Tool gibt, das für alle Nutzenden und deren individuelle Ansprüche gleichermaßen gut geeignet ist. Daher empfiehlt sich in den meisten Fällen ein Mix aus einer Suite und spezialisierten Tools. Im Vorfeld sollten sich Nutzende jedoch stets ausgiebig mit dem Thema sowie dem vorhandenen Know-how und dem eigenen Bedarf befassen. Es lohnt sich vor der finalen Entscheidung auf jeden Fall die kostenfreien Test-Zeiträume zu nutzen, die der Großteil der Anbieter zur Verfügung stellt.

Ein absolutes Must-have stellen jedoch die kostenfreien Google-Tools dar – vor allem die Search Console sowie Google Analytics, die beide mit nur wenig Aufwand schnell einsatzbereit sind.


Franziska S.

Franziska ist als SEO Analystin bei Claneo tätig. Ihre Kund:innen profitieren tagtäglich von ihrer langjährigen Marketingerfahrung, die sie unter anderem als Online Marketing Managerin bei einer Berliner E-Commerce Agentur gesammelt hat. Ihr Schwerpunkt liegt vor allem im Bereich technisches und strategisches SEO.

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