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Folge 16: Warum Google trotz ChatGPT-Boom weiter wächst

ChatGPT ist die am schnellsten wachsende Plattform aller Zeiten – bereits die fünftstärkste Website weltweit. Täglich nutzen Millionen Menschen KI-Chatbots statt klassischer Suchmaschinen. Trotzdem wächst Google weiter – bei Nutzung und Einnahmen. Wie kann das sein?

In dieser Folge analysieren Matthäus und Andre ein Phänomen, das viele Marketing-Professionals verwirrt: Die parallele Expansion von ChatGPT und Google. Die Episode liefert ein fundamentales Verständnis darüber, wie KI-Chatbots und Suchmaschinen nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen – und was das für die Zukunft der Suche bedeutet.

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Die paradoxe Situation: Beide Systeme wachsen gleichzeitig

Die Zahlen scheinen widersprüchlich: ChatGPT verzeichnet explosives Wachstum, die Nutzung von KI-Chatbots nimmt kontinuierlich zu – und dennoch wächst auch Google. Viele Expert:innen stellen sich die Frage: Wer verliert eigentlich, wenn ChatGPT gewinnt?

Die Antwort ist überraschend: Niemand verliert. Tatsächlich zeigen Daten, dass Menschen, die ChatGPT nutzen, am Ende mehr googeln als vorher. Dieses Phänomen widerspricht der intuitiven Annahme, dass KI-Chatbots Suchmaschinen ersetzen würden.

Die Nutzungsdaten: Was die Zahlen wirklich zeigen

Ein Blick auf die verschiedenen Datenquellen offenbart ein differenziertes Bild der aktuellen Entwicklung:

ChatGPT-Wachstum: Beispiellos

Seit November 2022 ist ChatGPT zur fünftstärksten Website weltweit aufgestiegen – nach Google, YouTube, Facebook und Instagram. Kein anderes Tool hat jemals ein vergleichbares Wachstum in so kurzer Zeit erreicht.

Sensor Tower Daten zeigen: Average Daily Sessions und Nutzungsdauer in KI-Chatbots steigen kontinuierlich, während klassische Suchmaschinen-Apps (iOS/Android) leicht zurückgehen.

Google-Entwicklung: Weiterhin Wachstum

Clickstream-Daten von Similar Web zeigen: ChatGPT wächst rasant – aber Google gewinnt ebenfalls hinzu. Beide Plattformen expandieren parallel.

Die zentrale Erkenntnis: Google muss nicht verlieren, wenn ChatGPT wächst. Die Systeme bedienen unterschiedliche, sich ergänzende Nutzungskontexte.

Nutzerverhalten: Komplementär statt substitutiv

Studien von Samrich belegen: Menschen, die ChatGPT nutzen, googeln am Ende mehr – nicht weniger. Die Nutzung von KI-Chatbots führt zu intensiverer Suchmaschinennutzung.

Warum? Weil nicht alle Aufgaben mit KI-Chatbots optimal gelöst werden können. Verschiedene Tools für verschiedene Kontexte.

Der Perspektivwechsel: Von der Suche zur Aufgabenerledigung

Um das Phänomen zu verstehen, ist ein fundamentaler Perspektivwechsel erforderlich. Die Frage lautet nicht: „Welche Suchmaschine nutze ich?“ – sondern: „Welches Tool hilft mir, meine Aufgabe zu erledigen?“

Internetsuche als Untermenge von Aufgabenerledigung

Menschen haben Aufgaben zu erledigen. Die Internetsuche ist nur eine von vielen Möglichkeiten, diese Aufgaben zu lösen. Bevor Nutzende ein Online-Tool wählen, bewerten sie:

Nutzen der Aufgabenerledigung

Wie groß ist der Nutzen, wenn die Aufgabe erledigt wird? Welchen Mehrwert bringt die Lösung?

Aufwand der Aufgabenerledigung

Wie viel Arbeit muss investiert werden, um die Aufgabe zu erledigen? Wie komplex ist die Nutzung des Tools?

Die Entscheidungsregel: Wenn der Nutzen größer ist als der Aufwand, wird ein Online-Tool genutzt. Die Wahl des Tools hängt davon ab, welches das beste Nutzen-Aufwand-Verhältnis bietet.

Das Aufwand-Nutzen-Modell: Suchmaschinen vs. KI-Chatbots

Wenn Online-Tools nach Aufwand und Nutzen eingeordnet werden, wird das Verhältnis zwischen Suchmaschinen und KI-Chatbots deutlich:

Klassische Suchmaschinen (Google)

Aufwand

  • Keywords formulieren und eingeben
  • Suchergebnisse durchsuchen
  • Websites besuchen und Informationen extrahieren
  • Bei komplexen Aufgaben: Mehrere Suchvorgänge nacheinander
  • Manuelle Zusammenführung von Informationen

Nutzen

  • Schneller Zugriff auf relevante Quellen
  • Breite Abdeckung des Webs
  • Aktuelle Informationen
  • Vertrauenswürdige, verifizierbare Quellen
  • Gut für informationsorientierte Aufgaben

KI-Chatbots (ChatGPT, Gemini, Copilot)

Aufwand (niedriger)

  • Natürlichsprachliche Formulierung statt Keywords
  • Einfachere Kommunikation des gewünschten Ergebnisses
  • Weniger manuelle Nachbearbeitung
  • Geringerer kognitiver Aufwand
  • Direktere Interaktion

Nutzen (höher)

  • Nicht nur Informationssuche, sondern auch Verarbeitung
  • Synthese aus mehreren Quellen
  • Weiterverarbeitung von Ergebnissen
  • Iterative Verfeinerung möglich
  • Höherer Nutzen für komplexe Aufgaben

Die entscheidende Erkenntnis: KI-Chatbots verschieben sich im Aufwand-Nutzen-Diagramm nach oben rechts – weniger Aufwand, mehr Nutzen. Sie besetzen einen anderen Bereich als klassische Suchmaschinen.

Warum beide Systeme parallel wachsen: Die Komplementarität

Das Aufwand-Nutzen-Modell erklärt, warum ChatGPT und Google nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen:

1. Erschließung neuer Aufgabenbereiche

KI-Chatbots machen Aufgaben lösbar, die vorher zu aufwändig waren. Beispiel: Eine komplette Reiseplanung mit Flug, Hotel, Aktivitäten und Budget-Optimierung war früher extrem zeitintensiv. Mit ChatGPT wird diese Aufgabe praktikabel.

Effekt: Neue Aufgaben werden überhaupt erst angegangen. Das Gesamtvolumen an Online-Tool-Nutzung steigt.

2. Aufgabenteilung zwischen Systemen

Viele komplexe Aufgaben erfordern sowohl KI-Chatbots als auch Suchmaschinen. Beispiel Reiseplanung:

  • ChatGPT: Reiseroute planen, Budget optimieren, Vorschläge generieren
  • Google: Konkrete Flüge buchen, Hotels vergleichen, aktuelle Preise prüfen

Effekt: Die Nutzung von ChatGPT führt zu mehr Google-Suchen, nicht weniger.

3. Produktivitätssteigerung

Durch KI-Chatbots werden Menschen produktiver. Sie erledigen mehr Aufgaben in kürzerer Zeit. Diese gesteigerte Produktivität führt dazu, dass insgesamt mehr Aufgaben angegangen werden.

Effekt: Das Gesamtvolumen an Aufgabenerledigung – und damit die Nutzung aller Tools – steigt.

4. Demokratisierung von Expertise

KI-Chatbots senken die Einstiegshürde für komplexe Aufgaben. Menschen, die sich früher nicht an bestimmte Aufgaben herangetraut haben, nutzen jetzt KI-Tools – und in der Folge auch Suchmaschinen.

Effekt: Neue Nutzergruppen werden aktiviert, die vorher weniger online-affin waren.

Das Kernprinzip: KI-Chatbots und Suchmaschinen sind keine Substitute (Ersatzprodukte), sondern Komplemente (sich ergänzende Produkte). Wie Kaffee und Milch: Mehr Kaffeekonsum führt zu mehr Milchkonsum.

Googles Reaktion: Sondereffekte und strategische Antworten

Google hat die Entwicklung erkannt und reagiert mit mehreren strategischen Maßnahmen:

AI Overviews: Bindung ans Ökosystem

Mit AI Overviews führt Google mehr interne Links ein, die zu weiteren Suchen führen. Nutzende bleiben länger im Google-Universum.

Daten März 2025: Bis zu 10% der Nutzenden klicken nicht mehr aus Google heraus, sondern suchen intern weiter.

Gemini 3.0: Die Aufholjagd

Mit Gemini 3.0 holt Google massiv auf. Gemini gewinnt stark an Fahrt und wird zunehmend konkurrenzfähig zu ChatGPT.

Strategie: Google war nicht der Innovator, aber nutzt seine Ressourcen, um schnell aufzuholen.

Personalisierung: Der nächste Schritt

Google arbeitet daran, KI noch nützlicher zu machen durch Personalisierung. Vorwissen über Präferenzen, Interessen und Einschränkungen soll den Nutzen steigern und den Aufwand senken.

Vision: KI, die den Nutzenden bereits kennt, kann noch präzisere und relevantere Ergebnisse liefern.

Implikationen für Marketing und GEO

Das Verständnis der Komplementarität zwischen KI-Chatbots und Suchmaschinen hat weitreichende Konsequenzen für Marketing-Strategien:

Keine Entweder-oder-Entscheidung

SEO bleibt relevant, aber GEO wird zunehmend wichtiger. Beide Disziplinen müssen parallel betrieben werden, da beide Kanäle wachsen.

Empfehlung: Nicht SEO zugunsten von GEO vernachlässigen – beide Bereiche strategisch ausbauen.

Unterschiedliche Optimierungsansätze

Content muss für verschiedene Nutzungskontexte optimiert werden: Informationssuche (Google) und Aufgabenverarbeitung (ChatGPT).

Empfehlung: Content-Strategien entwickeln, die beide Systeme adressieren.

Wachsende Gesamtmarktgröße

Das Gesamtvolumen an Online-Interaktionen wächst. Mehr Touchpoints bedeuten mehr Chancen für Sichtbarkeit.

Empfehlung: Präsenz in beiden Systemen aufbauen, um vom Gesamtwachstum zu profitieren.

Veränderte Customer Journeys

Nutzende wechseln zwischen Systemen je nach Aufgabe. Eine ganzheitliche Customer Journey umfasst beide Kanäle.

Empfehlung: Tracking und Attribution über beide Systeme hinweg etablieren.

Fazit: Ein neues Verständnis der Suchlandschaft

Die zentrale Erkenntnis dieser Folge: ChatGPT und Google konkurrieren nicht um denselben Kuchen – sie vergrößern gemeinsam den Kuchen.

Die wichtigsten Takeaways:

  • Perspektivwechsel erforderlich: Nicht „Welche Suchmaschine?“ sondern „Welches Tool für welche Aufgabe?“
  • Komplementarität statt Konkurrenz: KI-Chatbots und Suchmaschinen ergänzen sich, statt sich zu ersetzen
  • Gesamtmarkt wächst: Mehr Aufgaben werden online erledigt – beide Systeme profitieren
  • Strategische Konsequenz: Sowohl SEO als auch GEO sind unverzichtbar für zukunftsfähige Marketing-Strategien
  • Google reagiert: Mit AI Overviews, Gemini 2.0 und Personalisierung bleibt Google wettbewerbsfähig

Wer die Komplementarität der Systeme versteht, kann beide Kanäle strategisch nutzen und vom Gesamtwachstum der digitalen Aufgabenerledigung profitieren. Die Zukunft gehört nicht einem System allein – sondern der intelligenten Orchestrierung aller verfügbaren Tools.

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    Quadrate und Foto von lächelnder Mitarbeiterin
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