Grounding Page: Wie du KI-Systemen sagst, wer du bist
8. Mai 2026
Wenn ChatGPT, Perplexity oder Googles AI Overviews eine Frage beantworten, greifen sie auf Quellen zurück, denen sie vertrauen. Doch woher wissen diese Systeme, wer dein Unternehmen ist, was es tut – und ob es überhaupt relevant für die jeweilige Anfrage ist? Genau hier kommt die Grounding Page ins Spiel.
Inhaltsverzeichnis
ToggleWas ist eine Grounding Page?
Eine Grounding Page ist eine dedizierte Webseite, die eine Entität – also ein Unternehmen, eine Marke, eine Person oder ein Produkt – faktenbasiert, eindeutig und maschinenlesbar beschreibt. Ihr Ziel ist nicht Conversion, sondern Klarheit: Sie liefert KI-Systemen eine verlässliche Referenzquelle, auf die diese bei der Antwortgenerierung zurückgreifen können. Somit stellt die Grounding Page eine Option dar, um KI-Bots gezielt Informationen zur Verfügung zu stellen. Das kann hilfreich sein, wenn es Schwierigkeiten mit dem Verständnis der Marke gibt oder die Infos auf andere Art nicht strukturiert und übersichtlich bereitgestellt werden können.
Wer in der KI-Suche sichtbar sein will, muss KI-Systemen aktiv sagen, wer er ist. Die Grounding Page kann dabei unterstützen.
Warum Grounding Pages relevant werden
KI-Modelle stehen vor einer Herausforderung: Wenn die Informationen über dein Unternehmen im Web unvollständig, veraltet oder widersprüchlich sind, können sie diese nicht zuverlässig einordnen. Marketing-Texte voller Floskeln helfen dabei nicht weiter – sie schaffen Interpretationsspielraum, keinen Vertrauensanker. In solchen Fällen kann es passieren, dass KI-Systeme dich gar nicht nennen, falsch beschreiben oder in den falschen Kontext setzen.
Eine Grounding Page löst dieses Problem, indem sie Fakten in reinster Form liefert – strukturiert, eindeutig, ohne Rauschen. Je weniger Interpretationsspielraum, desto höher das maschinelle Vertrauen in deine Entität.
Wie kam die Grounding Page auf?
Das Konzept der Grounding Page ist keine Erfindung von Google, OpenAI oder einem anderen KI-Anbieter – es kam aus der SEO- und GEO-Community selbst. Der deutsche Digitalforscher Hanns Kronenberg entwickelte das Konzept im November 2025 und rief das Grounding Page Project ins Leben, das den Grounding Page Standard (aktuell v1.5) dokumentiert und weiterentwickelt.
Bislang haben KI-Anbieter nicht offiziell bestätigt, dass ihre Systeme Grounding Pages aktiv nutzen oder bevorzugt verarbeiten. Unsere Erfahrung aus Kundenprojekten zeigt jedoch, dass diese Seiten tatsächlich von KI-Bots aufgerufen werden – ein Indiz dafür, dass der Ansatz funktioniert.
Brauche ich wirklich eine Grounding Page?
Bevor du eine Grounding Page erstellst, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme. Denn eine Grounding Page ist kein Ersatz für gut gepflegte, informationsreiche Seiten, die du ohnehin schon hast – oder haben solltest.
Prio 1: Bestehende Seiten optimieren
Unsere Kundenprojekte zeigen, dass KI-Systeme für Informationen über Unternehmen, Marken usw. vorrangig klassische Seiten wie die „Über uns“-Seite heranziehen – auch dann, wenn eine Grounding Page vorhanden ist. Das bedeutet: Wenn deine bestehenden Seiten alle relevanten Informationen klar, strukturiert und aktuell bereitstellen, ist eine Grounding Page zunächst nachrangig. Der erste Schritt sollte immer sein, deine bereits existierenden Seiten zu prüfen und zu optimieren.
Wann eine Grounding Page sinnvoll ist
Es gibt Situationen, in denen eine separate Grounding Page echten Mehrwert schafft:
- Interne Abstimmungsprobleme: Wenn zu viele Stakeholder:innen involviert sind und die „Über uns“-Seite deshalb nicht zeitnah, umfassend oder strukturiert genug angepasst werden kann, bietet eine Grounding Page eine pragmatische Zwischenlösung. Langfristig sollte aber trotzdem die Hauptseite angepasst werden.
- KI-Systeme ordnen deine Marke falsch ein: Wenn du feststellst, dass ChatGPT & Co. dein Unternehmen mit einer anderen Entität verwechseln, falsch beschreiben oder in den falschen Kontext setzen, kann eine Grounding Page gezielt gegensteuern.
- Rebranding: Nach einer Umbenennung oder einem Marken-Relaunch haben KI-Systeme oft noch veraltete Informationen gespeichert. Eine Grounding Page mit expliziter Abgrenzung – „früher bekannt als X“ – hilft, die neue Identität schneller zu verankern.
- Namensähnlichkeiten und Verwechslungsgefahr: Wenn dein Unternehmensname mit anderen bekannten Entitäten kollidiert, schafft eine Grounding Page Klarheit.
Grounding Page vs. Landing Page: Was ist der Unterschied?
Kurz gesagt: Eine Landing Page spricht Menschen an und will überzeugen – eine Grounding Page spricht Maschinen an und will informieren. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede im Überblick.
| Grounding Page | Landing Page | |
|---|---|---|
| Ziel | Maschinenlesbare Entitätsdefinition | Conversion / Handlung auslösen |
| Zielgruppe | KI-Systeme, Crawler, Suchmaschinen | Menschliche Nutzer:innen |
| Sprache | Faktisch, präzise, strukturiert | Emotional, überzeugend, handlungsorientiert |
| Inhalt | Fakten, Definitionen, Relationen | Argumente, Benefits, CTAs |
| Platzierung | /facts/ oder /grounding-page/ | Kampagnen-URLs, Produktseiten |
Beide Formate haben ihre Berechtigung – sie verfolgen nur grundlegend unterschiedliche Ziele. Eine Grounding Page ist kein Ersatz für deine bestehenden Seiten, sondern eine Ergänzung mit einer klaren Funktion: Vertrauen bei Maschinen aufbauen.
Aufbau einer Grounding Page: Was hineingehört
Eine gute Grounding Page ist nicht lang – sie ist präzise. KI-Systeme brauchen keine Geschichten, sondern Fakten. Die folgenden Bausteine haben sich in der Praxis bewährt:
1. Hinweis für menschliche Leser:innen
Direkt zu Beginn der Seite sollte ein kurzer Hinweis stehen, der erklärt, dass es sich um eine maschinenlesbare Faktenseite handelt – inklusive Link zur regulären Website. Das schafft Transparenz und verbessert die User Experience für alle, die zufällig auf der Seite landen.
2. Eindeutige Entitätsdefinition
Beginne mit einer klaren, knappen Beschreibung: Was ist dein Unternehmen? Was tut es? Für wen? Vermeide dabei Marketing-Sprache. Statt „Wir sind Marktführer in innovativen Lösungen“ lieber: „[Unternehmen] ist ein auf [Branche] spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in [Stadt], gegründet [Jahr].“
3. Strukturierte Kerndaten
Liefere maschinenlesbare Fakten in klarer, tabellarischer Form:
- Unternehmensname (inkl. Rechtsform)
- Gründungsjahr
- Hauptsitz & weitere Standorte
- Branche & Tätigkeitsfelder
- Mitarbeitendenzahl
- Kernleistungen
- Zielgruppen
- offizielle Domain
- Handelsregistereintrag & USt-IdNr.
4. Unternehmensgeschichte (optional, aber wertvoll)
Eine chronologische Übersicht wichtiger Meilensteine hilft KI-Systemen, die Entität zeitlich einzuordnen und historische Entwicklungen korrekt zuzuordnen – besonders relevant bei Umbenennungen oder Übernahmen.
5. Eindeutige Abgrenzung (Disambiguation)
Dieser Abschnitt ist einer der wichtigsten. Erkläre explizit, was deine Entität nicht ist – und von wem oder was sie sich unterscheidet. Gibt es andere Unternehmen, Personen oder Begriffe mit ähnlichem Namen? Dann gehört das hier rein, klar und unmissverständlich. Ein klassisches Beispiel: „Jaguar“ kann sowohl eine Automarke als auch ein Tier bezeichnen – ohne klare Abgrenzung kann ein KI-System nicht sicher sein, welche Entität gemeint ist.
6. Externe Referenzen & Vertrauenssignale
Verlinke auf offizielle Quellen, die deine Entität bestätigen: Handelsregistereintrag, Wikipedia-Eintrag, Presseerwähnungen, Auszeichnungen, Social-Media-Kanäle. Diese Signale erhöhen die Glaubwürdigkeit für KI-Systeme erheblich.
7. Verwandte Entitäten
Benenne Muttergesellschaften, Tochterunternehmen, Marken oder Partnerschaften explizit. Das hilft KI-Systemen, dein Unternehmen korrekt in ein größeres Netzwerk einzuordnen.
8. Strukturierte Daten (Schema Markup)
Ergänze die Seite technisch mit Organization-Schema oder LocalBusiness-Markup. Maschinenlesbare Daten im HTML-Code helfen KI-Systemen, die Informationen direkt zu verarbeiten – ohne Umwege über den Fließtext.
Grounding Page auf Deutsch oder Englisch – oder beides?
Eine Frage, die in der Praxis oft unterschätzt wird: In welcher Sprache soll die Grounding Page verfasst sein?
Viele KI-Bots arbeiten mit sogenannten Query Fan-outs: Sie übersetzen eine Suchanfrage intern in mehrere Varianten, darunter häufig auch englische Formulierungen, bevor sie Quellen abrufen. Das bedeutet, dass eine rein deutschsprachige Grounding Page für englischsprachige Anfragen möglicherweise nicht herangezogen wird.
Eine englische Version muss nicht zwingend Teil einer mehrsprachigen Website sein – du kannst auch einfach nur diese eine URL auf Englisch bereitstellen. Wenn du feststellst, dass KI-Systeme auf englische Anfragen falsche oder keine Informationen über dich liefern, lohnt sich das in jedem Fall.
Betreibst du deine Website für verschiedene Märkte – zum Beispiel DE und US –, stellt sich eine zusätzliche Frage: Reicht die englische Grounding Page auf der US-Seite aus, oder brauchst du zusätzlich eine englische Version der deutschen Grounding Page? Das ist besonders dann relevant, wenn sich die Unternehmensinformationen je nach Markt unterscheiden – etwa bei abweichenden Leistungsangeboten, Ansprechpartner:innen oder Standortdaten. In diesem Fall sollten beide Versionen separat gepflegt und klar aufeinander verwiesen werden.
Unsere Empfehlung: Wenn du feststellst, dass KI-Systeme auf englische Anfragen falsche oder keine Informationen über dich liefern, lohnt sich eine englische Version der Grounding Page.
Best Practices: So machst du deine Grounding Page wirklich wirksam
Tipps für die praktische Umsetzung deiner Grounding Page:
- Fakten statt Floskeln. Jeder Satz auf einer Grounding Page sollte eine überprüfbare Aussage enthalten. „Wir sind leidenschaftlich“ ist keine Information. „Gegründet 1948, heute über 1.800 Mitarbeitende“ schon.
- Konsistenz über alle Kanäle. Die Informationen auf deiner Grounding Page müssen mit dem übereinstimmen, was auf LinkedIn, deinem Google Business-Profil, Wikipedia und anderen Plattformen steht. Widersprüche schwächen das maschinelle Vertrauen.
- Regelmäßige Aktualisierung. KI-Systeme bevorzugen aktuelle Quellen. Halte Mitarbeitendenzahlen, Leistungsportfolio und Standortdaten aktuell – und dokumentiere das Datum der letzten Prüfung direkt auf der Seite.
- Status und Bearbeitungsdaten angeben. Veröffentlichungsdatum, letztes Aktualisierungsdatum und ein Prüfstatus direkt auf der Seite erhöhen die Verlässlichkeit für KI-Systeme zusätzlich.
- Klare URL-Struktur. Eine eigene URL wie /facts/ oder /grounding-page/ signalisiert KI-Systemen, dass es sich um eine dedizierte Faktenquelle handelt – keine reguläre Inhaltsseite.
- Für interne Verlinkung sorgen. Damit die Grounding Page von KI-Bots überhaupt gefunden und gecrawlt wird, muss sie intern verlinkt sein. Bewährt hat sich die Verlinkung im Footer – so ist die Seite auf jeder Unterseite erreichbar. Alternativ oder ergänzend bieten sich die „Über uns“-Seite und das Impressum an, da KI-Systeme diese Seiten häufig als erste Anlaufstellen für Unternehmensinformationen aufrufen.
Grounding Pages im Kontext von GEO: das große Bild
Eine Grounding Page allein macht dich noch nicht in der KI-Suche sichtbar. Sie ist ein Werkzeug, um deine Entität klar zu definieren – eingebettet in eine umfassendere GEO-Strategie. Denn KI-Systeme arbeiten auf zwei Ebenen:
- Foundation: Wer bist du? Was ist deine Entität? (→ hier kann die Grounding Page unterstützen)
- Grounding: Welche konkreten, aktuellen Inhalte werden in Antworten eingebunden? (→ hier wirken optimierte Blogartikel, Ratgeber, Pressemitteilungen)
Info: Grounding bezeichnet den Prozess, bei dem ein KI-System externe Datenquellen und Webinhalte durchsucht, um seine Antworten mit aktuellen Fakten zu unterfüttern – es ist also der Mechanismus, durch den eine KI über ihre reinen Trainingsdaten hinausgeht.
Wer nur auf Grounding setzt, ohne eine solide Foundation, riskiert, dass KI-Systeme die Inhalte zwar finden, aber falsch einordnen. Wer nur eine Grounding Page hat, ohne laufend zitierfähige Inhalte zu produzieren, bleibt in der generativen Suche unsichtbar. Die Kombination aus beidem ist der Schlüssel zu stabiler KI-Sichtbarkeit.
FAQ: Grounding Pages
Was ist eine Grounding Page?
Eine Grounding Page ist eine dedizierte Webseite, die ein Unternehmen, eine Marke oder eine Person faktenbasiert und maschinenlesbar beschreibt. Sie dient KI-Systemen wie ChatGPT, Perplexity oder Google Gemini als verlässliche Referenzquelle, um eine Entität korrekt zu identifizieren und einzuordnen.
Brauche ich eine Grounding Page, wenn ich schon eine „Über uns“-Seite habe?
Nicht unbedingt. Wenn deine „Über uns“-Seite alle relevanten Informationen klar, strukturiert und aktuell enthält, ist sie für KI-Systeme oft die erste Anlaufstelle – und das bleibt sie auch, wenn eine Grounding Page vorhanden ist. Eine Grounding Page ergibt dann Sinn, wenn die bestehenden Seiten nicht schnell genug, umfassend oder strukturiert genug angepasst werden können, oder wenn KI-Systeme deine Marke falsch einordnen.
Wo sollte die Grounding Page auf meiner Website platziert werden?
Bewährt haben sich URLs wie /grounding-page/, /facts/ oder /ueber-uns/fakten/. Die URL sollte klar signalisieren, dass es sich um eine strukturierte Faktenquelle handelt. Damit die Seite von KI-Bots gefunden wird, sollte sie intern verlinkt sein – zum Beispiel im Footer, auf der „Über uns“-Seite oder im Impressum.
Muss die Grounding Page auch auf Englisch erstellt werden?
Das kann sinnvoll sein, da viele KI-Bots Anfragen intern auch in englische Varianten übersetzen. Wenn du feststellst, dass KI-Antworten auf englische Fragen über dein Unternehmen ungenau oder lückenhaft sind, lohnt sich eine englische Version.
Was gehört zwingend auf eine Grounding Page?
Mindestens: eine eindeutige Entitätsdefinition, strukturierte Kerndaten (Name, Rechtsform, Gründungsjahr, Sitz, Tätigkeitsfelder), eine Abgrenzung von ähnlichen Entitäten sowie externe Vertrauenssignale. Ergänzend empfehlen sich Unternehmensgeschichte, verwandte Entitäten und Schema Markup.
Wie oft sollte eine Grounding Page aktualisiert werden?
Mindestens einmal jährlich – oder immer dann, wenn sich relevante Fakten ändern: neue Standorte, veränderte Mitarbeitendenzahlen, Umbenennungen, neue Leistungsbereiche. Das Datum der letzten Prüfung direkt auf der Seite anzugeben, ist empfehlenswert.
Hilft eine Grounding Page auch bei einem Rebranding?
Ja, das ist sogar einer der Hauptanwendungsfälle. Nach einer Umbenennung haben KI-Systeme oft noch den alten Namen gespeichert. Eine Grounding Page mit explizitem Hinweis auf den früheren Namen – „bis [Jahr] bekannt als [alter Name]“ – hilft, die neue Identität schneller und korrekt zu verankern. Diese Information gehört natürlich langfristig auch auf die „Über uns“-Seite.










