Folge 34: GEO vs. SEO – Die Unterschiede im Marketing
In Folge 33 haben wir die Unterschiede zwischen GEO und SEO in der Nutzung der Systeme beleuchtet – vom fragmentierten Markt über die Charakteristika von Keywords vs. Prompts bis hin zur Datenbasis und Ergebniserzeugung. Heute gehen wir einen Schritt weiter und zeigen, wie sich diese Unterschiede auf das Marketing auswirken.
Während Google in seinen offiziellen Dokumenten betont, dass SEO und GEO ähnlich oder sogar identisch seien, zeigt die Praxis ein anderes Bild. Zwar gibt es in den Bereichen Technik und Content tatsächlich hohe Überschneidungen – doch in den Bereichen Strategie, Monitoring und Offpage unterscheiden sich die beiden Disziplinen fundamental.
In dieser Folge erklären Maggie Mues und Andre Alpar, warum GEO eher als Branding-Kanal funktioniert, während SEO klar im Performance Marketing verankert ist. Außerdem zeigen sie, welche neuen Aufgabenbereiche im Offpage-Bereich entstehen und warum die Erfolgsmessung bei GEO eine völlig andere Herangehensweise erfordert.
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Inhaltsverzeichnis
ToggleDie Aufgabenbereiche von GEO und SEO im Überblick
Sowohl bei SEO als auch bei GEO lassen sich die Aufgabenbereiche in fünf Kategorien gliedern: Strategie, Monitoring, Onpage Content, Onpage Technik und Offpage. Doch während Google in seiner Kommunikation fast ausschließlich über Technik und Content spricht, liegen die wirklich entscheidenden Unterschiede in den anderen drei Bereichen.
Wenn die verschiedenen Aufgabenbereiche nach dem Grad ihrer Überschneidung zwischen SEO und GEO bewertet werden, zeigt sich ein klares Bild:
- Technik und Content: Hohe Überschneidung – die Prinzipien ähneln sich stark
- Strategie, Monitoring und Offpage: Niedrige Überschneidung – hier unterscheiden sich die Disziplinen fundamental
In dieser Folge konzentrieren wir uns auf genau diese drei Bereiche, in denen die Unterschiede am größten sind.
Strategie: Keywords vs. Prompts – datengetrieben vs. personabasiert
Der größte strategische Unterschied zwischen SEO und GEO liegt im Charakter des Inputs: Keywords bei Suchmaschinen, Prompts bei KI-Systemen. Dieser Unterschied hat weitreichende Konsequenzen für die Ausarbeitung von Contentstrategien.
Keywords in Suchmaschinen
- Durchschnittlich 4,2 Wörter lang
- Identische Keywords werden mehrfach eingegeben
- Suchvolumen-Tools liefern präzise Daten zu Häufigkeit und Saisonalität
- Datengetriebene Strategieentwicklung möglich
Prompts in KI-Systemen
- Durchschnittlich 23 Wörter lang
- Hochgradig individuell und personalisiert
- 70% der ChatGPT-Prompts sind einzigartig
- Keine Tools zur Messung von Prompt-Volumina verfügbar
- Strategieentwicklung basiert auf Personas und Vermutungen
Implikationen für die Contentstrategie
Bei SEO kennen Marketing-Teams durch Suchvolumen-Daten die Bedürfnisse und den Umfang potenzieller Kundinnen und Kunden. Die Contentstrategie kann rein datengetrieben entwickelt werden.
Bei GEO fehlt diese Datengrundlage. Die Contentstrategie muss auf Personas basieren: Welche Personentypen könnten in KI-Systemen nach den eigenen Produkten oder Dienstleistungen suchen? Welche Probleme oder Aufgaben geben sie als Input ein, bei denen die eigene Marke ein guter Output sein könnte?
Performance Marketing vs. Branding
Diese unterschiedlichen Datengrundlagen führen zu einer grundlegenden organisatorischen Einordnung:
- SEO ist klar im Performance Marketing verankert. Es lassen sich konkrete Ziele setzen: Position X erreichen, Y Impressions generieren, Z Klicks erzielen, daraus N Käufe ableiten. Die Kernfrage lautet: Wie viel investiere ich, wie viel kommt dabei heraus?
- GEO funktioniert eher wie ein Branding-Kanal. Ziele sind: als Marke genannt werden (Mentions), Citations erhalten (direkt oder indirekt), in positiven Kontexten erwähnt werden. Die Wirkung ist langfristig und schwerer direkt messbar.
Plattform-Priorisierung ist essentiell
Ein weiterer strategischer Unterschied ergibt sich aus der Marktstruktur: Während der Suchmaschinenmarkt ein Monopol ist (Google dominiert mit über 90% Marktanteil in Europa), ist der Markt für KI-Systeme stark fragmentiert.
Bei SEO ist klar: Optimierung bedeutet Optimierung für Google. Bei GEO muss strategisch entschieden werden, auf welche Plattformen der Fokus gelegt wird – ChatGPT, Perplexity, Claude, Gemini oder andere. Diese Plattformen funktionieren teilweise unterschiedlich, haben verschiedene Nutzungsintensitäten und liefern unterschiedliche Outputs.
Herausforderungen der Plattform-Priorisierung:
- Größerer Aufwand bei der Beobachtung von Entwicklungen und Neuerungen auf mehreren Plattformen
- Erhöhte Kosten bei der Erfolgsmessung, wenn Prompts in mehreren Systemen getrackt werden sollen
- Regelmäßige Überprüfung der Plattform-Priorisierung notwendig, da sich die Systeme rasant verändern
Hinweis: Eine ausführliche Behandlung des Themas Plattform-Priorisierung findet sich in Folge 8 der GEO Know How Academy.
Monitoring und Erfolgsmessung: Transparenz vs. Kanalbruch
Im Bereich Monitoring zeigen sich ebenfalls fundamentale Unterschiede zwischen SEO und GEO.
Bei Suchmaschinen ist die Erfolgsmessung klar und transparent:
- Rankings zu bestimmten Keywords sind messbar und nachvollziehbar
- Entwicklung der Rankings über die Zeit ist dokumentierbar
- Analytics-Tools zeigen genau, wie viele Besucher:innen über welches Ranking kommen
- Die gesamte Customer Journey ist messbar: von Besuchern über Leads bis zu Verkäufen
- ROI-Berechnung ist präzise möglich: X Euro investiert, Y Euro Umsatz generiert
Selbst wenn nicht immer transparent ist, wie sich einzelne Maßnahmen auf Rankings auswirken, sind die Ergebnisse der SEO-Bemühungen zu 100% messbar – einschließlich ihrer kommerziellen Wirkung.
Bei KI-Systemen ist die Erfolgsmessung deutlich komplexer:
Wesentliche Wirkungen:
- Mentions: Die Marke wird auf relevanten Themen genannt
- Citations: Direkte und indirekte Quellenangaben
- Erhöhte Brand Awareness
Das Problem: Der Kanalbruch
Nutzer:innen verwenden KI-Systeme zur Entscheidungsfindung, wechseln dann aber häufig den Kanal – etwa zur Suchmaschine, um den Markennamen direkt einzugeben. Der Zusammenhang zwischen der Markenwahrnehmung im KI-System und dem späteren Besuch oder Kauf ist nicht mehr messbar.
Ausnahme: Referral Traffic
Bei direkten Citations, die auf die eigene Website verlinken, entsteht messbarer Referral Traffic. Allerdings ist dieser Traffic aktuell noch so gering, dass eine reine ROI-Betrachtung von GEO-Investitionen negativ ausfallen würde – was jedoch die tatsächliche Wirkung von KI-Systemen auf das Nutzerverhalten nicht widerspiegelt.
Hinweis: Eine aktuelle Studie (Juni 2026) zeigt, dass sich die Menge der Besucher:innen, die Websites durchschnittlich von ChatGPT erhalten, signifikant erhöht hat.
Offpage: Von Backlinks zu Mentions und Kontext-Kontrolle
Im Offpage-Bereich zeigt sich der größte Unterschied zwischen SEO und GEO – nicht nur qualitativ, sondern auch in der Breite der Optimierungsmöglichkeiten.
SEO Offpage
Im SEO-Offpage-Bereich gibt es ein klares Ziel:
- Backlinks von vertrauenswürdigen externen Quellen zur eigenen Website generieren
Die Qualität und Autorität der verlinkenden Domain ist entscheidend für die Wirkung auf Rankings.
GEO Offpage
Im GEO-Offpage-Bereich sind die Ziele breiter gefächert:
- Backlinks von vertrauenswürdigen Domains erhalten
- Mentions (Erwähnungen) auf externen Domains generieren – auch ohne Link
- Sicherstellen, dass die Marke in einem positiven oder zumindest neutralen Kontext erwähnt wird
Es geht also nicht nur um Verlinkungen, sondern auch um die inhaltliche Darstellung der Marke auf fremden Plattformen.
Controlled Offpage vs. Influenced Offpage
Im GEO-Offpage-Bereich lassen sich zwei Ebenen unterscheiden, die unterschiedliche Kontrollgrade und Aufwände erfordern:
Dieser Bereich umfasst Plattformen, auf denen die Marke direkt Inhalte veröffentlichen und kontrollieren kann:
- YouTube-Kanal: Welche Aussagen werden über die Marke kommuniziert?
- Social Media Accounts: Welche Themen und Botschaften werden geteilt?
- Branchenverzeichnisse und geografische Verzeichnisse: Welche Informationen sind hinterlegt?
Warum ist das wichtig?
KI-Systeme nutzen diese Quellen, um zu verifizieren, für welche Themen eine Marke steht. Die Veröffentlichung von Inhalten auf diesen Plattformen beeinflusst direkt die Wahrnehmung der Marke durch KI-Systeme.
Vorteil: Dieser Bereich ist mit relativ geringem Aufwand beeinflussbar und sollte als erster Hebel im GEO-Offpage-Bereich genutzt werden.
Hinweis: Dieser Bereich existiert im klassischen SEO in dieser Form nicht – er ist spezifisch für GEO.
Dieser Bereich umfasst Plattformen und Inhalte, die nicht direkt kontrolliert werden können, sondern durch Zusammenarbeit mit Dritten beeinflusst werden müssen:
- Presseberichte: Artikel in Medien über die eigene Marke
- Tests und Bewertungen: Produkttests, Vergleiche, Rezensionen
- Content Creator: Berichte von Influencer:innen, Blogger:innen oder Partner:innen (z.B. über Affiliate Marketing)
Herausforderung:
Die Marke kann nicht selbstständig beeinflussen, was auf diesen Plattformen steht, sondern muss mit denjenigen zusammenarbeiten, die Kontrolle über die Inhalte haben. Der Aufwand ist deutlich höher als bei Controlled Offpage – manchmal ist eine Beeinflussung auch gar nicht möglich.
Dieser Bereich ähnelt stärker dem klassischen SEO-Offpage, geht aber über reine Backlink-Generierung hinaus.
Fazit: SEO und GEO – ähnlich in Technik und Content, fundamental unterschiedlich in Strategie, Monitoring und Offpage
Die Aussage „Good SEO is good GEO“ von Danny Sullivan (Google) trifft nur auf einen Teil der Marketing-Disziplinen zu. In den Bereichen Technik und Content gibt es tatsächlich hohe Überschneidungen zwischen SEO und GEO. Doch in den strategisch entscheidenden Bereichen unterscheiden sich die beiden Disziplinen fundamental:
- Strategie: SEO basiert auf datengetriebenen Keyword-Analysen und ist im Performance Marketing verankert. GEO basiert auf Personas und funktioniert eher als Branding-Kanal. Die Plattform-Priorisierung ist bei GEO essentiell.
- Monitoring: SEO bietet vollständige Messbarkeit von Rankings, Traffic und ROI. Bei GEO entsteht ein Kanalbruch – die Wirkung auf Brand Awareness ist real, aber schwer direkt messbar.
- Offpage: SEO konzentriert sich auf Backlinks. GEO erweitert den Bereich um Mentions, Kontext-Kontrolle und unterscheidet zwischen Controlled Offpage (direkt beeinflussbar) und Influenced Offpage (nur indirekt steuerbar).
Wer GEO erfolgreich betreiben möchte, muss diese Unterschiede verstehen und die Marketing-Prozesse entsprechend anpassen. Die Bereiche Strategie, Monitoring und Offpage erfordern neue Denkweisen, Tools und Workflows – und genau hier liegt das größte Potenzial für Marken, die in der neuen Ära der KI-gestützten Suche sichtbar bleiben wollen.
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