Folge 40: Experteninterview mit Erik Siekmann – GEO aus Unternehmersicht
In den vergangenen Folgen der GEO Know How Academy wurden die Grundlagen, Strategien und Taktiken von Generative Engine Optimization beleuchtet. Jetzt wird der Blickwinkel gewechselt: Wie sehen Unternehmer:innen und Marketing-Entscheider:innen GEO? Welche Rolle spielt diese neue Disziplin in der strategischen Planung? Und wie lassen sich Investitionen in GEO rechtfertigen, wenn die Messbarkeit noch begrenzt ist?
In dieser Folge spricht Andre Alpar mit Erik Siekmann, Gründer und Geschäftsführer der TLDR Studios, einem Unternehmen für professionelle Business-Kommunikation. Erik bringt eine einzigartige Perspektive mit: Als Unternehmer und Consultant für Digital Marketing und Analytics kennt er sowohl die operative als auch die strategische Seite von Marketing-Entscheidungen. Das Gespräch dreht sich um die Frage, wie GEO heute schon genutzt wird, wo die Chancen liegen und welche Herausforderungen Unternehmen meistern müssen.
Dies ist die letzte Folge der vierteiligen Experteninterviewreihe – ein Abschluss, der den Bogen von der Theorie zur unternehmerischen Praxis schlägt.
Bitte Präferenz-Cookies akzeptieren, um das Video zu sehen.
Inhaltsverzeichnis
ToggleKI-Systeme vs. klassische Suchmaschinen: Wie Erik Siekmann heute sucht
Die erste Frage im Interview geht direkt ins Eingemachte: Was macht Erik Siekmann heute mit KI-Systemen, das früher über Google gelöst wurde – und wofür nutzt er Google immer noch?
Die Antwort zeigt eine klare Arbeitsteilung: KI-Systeme kommen zum Einsatz, wenn es um komplexere Recherchen, Zusammenfassungen und Bewertungen geht. Ein konkretes Beispiel: Die Frage, wie viele Konzepte es für Storytelling gibt. Hier bietet ein KI-System eine umfassende Zusammenfassung und Empfehlungen – eine Aufgabe, die mit klassischer Google-Suche deutlich aufwendiger wäre.
Google bleibt hingegen relevant, wenn es um einfache Datenpunkte geht: Der direkte Weg zu Wikipedia, die Nutzung von Google Maps oder das schnelle Abrufen einzelner Fakten. Die Grenze verläuft also zwischen komplexer Informationsverarbeitung (KI) und direktem Zugriff auf bekannte Quellen (Google).
Für wen ist GEO (nicht) relevant?
Eine provokante Frage: Gibt es Unternehmen, die sich nicht um ihre Sichtbarkeit in KI-Systemen kümmern müssen?
Erik Siekmanns Antwort ist eindeutig: Nur Monopolisten und Organisationen, die keine Wertschöpfung mit Kund:innen machen müssen – etwa durchfinanzierte Forschungsinstitute – können sich erlauben, GEO zu ignorieren. Für alle anderen ist die Frage nicht, ob GEO relevant ist, sondern wie schnell und in welchem Umfang investiert werden sollte.
Besonders wichtig wird GEO überall dort, wo Entscheidungen vorbereitet, Informationen bewertet, verdichtet und weitergetragen werden. Das betrifft sowohl B2B- als auch B2C-Unternehmen. Erik Siekmann geht sogar so weit zu sagen: Es gibt momentan keine relevantere Fragestellung für Marketing-Verantwortliche.
Branded Prompts: Wie wichtig ist die Darstellung der eigenen Marke in KI-Systemen?
Ein zentraler Aspekt von GEO ist die Frage, wie die eigene Marke in KI-Antworten dargestellt wird. Nutzer:innen können gezielt nach Vor- und Nachteilen eines Unternehmens fragen – sogenannte Branded Prompts.
Erik Siekmann betont: Überall, wo Entscheidungen vorbereitet oder Informationen analysiert werden müssen, ist die Darstellung in KI-Systemen hochrelevant. Das gilt insbesondere für erklärungsbedürftige Produkte und Dienstleistungen mit hohem Kundenwert.
Gleichzeitig berichtet er von Fällen, in denen KI-Systeme missverständliche oder falsche Informationen ausgegeben haben – etwa falsche Einordnungen von Dienstleistungsbereichen oder unzutreffende Kostenannahmen. Schädlich waren diese Fehler in den von ihm beobachteten Fällen nicht, aber sie zeigen: Die Kontrolle über die eigene Darstellung in KI-Systemen ist begrenzt – und deshalb umso wichtiger.
GEO als Marketingkanal: Performance oder Branding?
Eine der spannendsten Fragen im Interview: Ist GEO eher ein Performance-Kanal oder ein Branding-Kanal?
Erik Siekmanns Antwort ist wegweisend: GEO wird die erste Disziplin sein, in der die Trennung zwischen Performance und Branding kanalunabhängig aufgehoben wird. Von oben (bedarfsweckend) bis unten (bedarfsabschöpfend) deckt GEO den gesamten Funnel ab – und das in einem einzigen Kanal.
Diese Einschätzung hat weitreichende Konsequenzen für die strategische Planung: GEO lässt sich nicht in die klassischen Kategorien einordnen. Es ist beides – und genau das macht es so wertvoll.
Erfolgsgeschichten: Gibt es bereits messbare Erfolge mit GEO?
Die Frage nach konkreten Erfolgsgeschichten ist entscheidend: Kennt Erik Siekmann Unternehmen, die bereits messbare Erfolge mit GEO feiern?
Die Antwort ist vorsichtig optimistisch: Es gibt Anekdoten – teilweise verifizierbare Fälle, in denen Unternehmen und Nachfragende über KI-Systeme zusammengefunden haben. Allerdings lassen sich daraus noch keine Muster ableiten. Die Frage bleibt: Wie viel von diesem Kontakt wäre auch ohne KI zustande gekommen?
Gleichzeitig betont Erik Siekmann: Die Tatsache, dass Kundenverhalten darauf hinweist, dass KI-Systeme genutzt werden, ist der beste Indikator dafür, dass dort ein Wert zu finden ist. Die Frage ist nur, wie groß dieser Wert ist und wie schnell er gehoben werden kann.
Budgetallokation: Wie viel sollte in GEO investiert werden?
Eine Million Euro Budget – wie sollte ein CMO dieses Budget zwischen SEO und GEO aufteilen?
Erik Siekmanns Empfehlung für Mai 2026, bezogen auf ein durchschnittliches B2B-Unternehmen mit erklärungsbedürftigem Produkt und hohem Kundenwert: 80% SEO, 20% GEO.
Diese Aufteilung spiegelt den aktuellen Reifegrad von GEO wider. SEO ist etabliert, messbar und liefert verlässliche Ergebnisse. GEO hingegen ist eine Investition in die Zukunft – mit hohem Potenzial, aber noch begrenzter Messbarkeit.
Entscheidend ist: Die 20% für GEO sind keine Verschwendung, sondern eine strategische Investition in organische Kundengewinnung. Wer heute nicht investiert, wird morgen deutlich höhere Kosten haben, um das Gleiche zu erreichen.
Organisatorische Verankerung: Wo sollte GEO im Unternehmen angesiedelt sein?
Eine oft unterschätzte Frage: Wo sollte GEO organisatorisch verankert sein?
Erik Siekmanns Antwort ist klar: So weit oben wie sinnvoll – und auf jeden Fall dort, wo Umsatz verantwortet wird, nicht nur Brand. Besonders wichtig: GEO sollte dort angesiedelt sein, wo Incremental Revenue gemessen wird – also Umsatz in neuen Produktkategorien oder neuen Kundensegmenten.
Diese Positionierung unterstreicht: GEO ist keine reine Branding-Maßnahme, sondern ein strategisches Instrument zur Umsatzsteigerung. Wer GEO nur als Nebenprojekt behandelt, verschenkt Potenzial.
Messbarkeit und Rechtfertigung: Wie lässt sich GEO rechtfertigen, wenn der Wert schwer zu quantifizieren ist?
Eine der größten Herausforderungen bei GEO: Der Wert lässt sich schwer quantifizieren. Wie rechtfertigt man Investitionen, wenn die Messbarkeit begrenzt ist?
Erik Siekmanns Antwort ist pragmatisch: Der Wert lässt sich durchaus festlegen – er lässt sich nur nicht gut quantifizieren. Und das ist nicht die einzige Disziplin, bei der das der Fall ist. Auch bei klassischer Kundengewinnung lässt sich der exakte Wert am Anfang nicht bestimmen – er entwickelt sich über die Zeit.
Entscheidend ist: Sobald Kundenverhalten darauf hinweist, dass es sinnvoll ist, in einem Kanal aktiv zu sein, ist das der beste Indikator für Wert. Die Frage ist nur, wie groß und wie schnell dieser Wert gehoben werden kann.
Überschätzung und Unterschätzung: Wo liegen die größten Missverständnisse?
Was wird bei GEO überschätzt, was unterschätzt?
Erik Siekmanns Einschätzung: Es gibt kaum ein Unternehmen, das GEO in Summe überschätzt. Höchstens die kurzfristigen Effekte werden überschätzt – die Hoffnung, dass Ergebnisse möglichst schnell kommen.
Die Parallele zu SEO vor 20 bis 25 Jahren ist offensichtlich: Damals wie heute gibt es eine große Schere zwischen Unternehmen, die in organische Kundengewinnung investieren, und solchen, die nur das tun, was sofort messbar ist. Wer heute in GEO investiert, baut langfristige Wettbewerbsvorteile auf. Wer wartet, lässt Potenziale liegen.
Ist GEO Geldverbrennung, weil die Ranking-Logik volatil ist?
Eine provokante These: GEO optimiert für Tools, deren Ranking-Logik in 18 Monaten obsolet sein könnte. Ist das nicht Geldverbrennung?
Erik Siekmanns Antwort ist differenziert: Geldverbrennung wäre nur, wenn man sich falschen Messwerten zu schnell hingibt und damit eine Fehlallokation von Mitteln macht. Wenn man aber möglichst generisch, aber sinnvoll attribuiert, ist es schwer, wirklich Geld zu verbrennen.
Die Volatilität ist real – aber sie ist kein Grund, nicht zu investieren. Im Gegenteil: Wer heute lernt, mit dieser Volatilität umzugehen, baut organisatorische Kompetenz auf, die langfristig wertvoll ist.
Der Compounding-Effekt: Warum frühe Investitionen sich auszahlen
Ist GEO vergleichbar mit SEO in den Jahren 2003 bis 2004 – eine Phase, in der frühe Investitionen besonders günstig waren?
Erik Siekmann bejaht das und beschreibt einen doppelten Compounding-Effekt:
- Externer Compounding-Effekt: Es wird viel schwerer sein, später aufzuholen – bis hin zu unmöglich. Es wird weniger Ergebnisse geben, und der Wettbewerb wird intensiver.
- Interner Compounding-Effekt: Wer heute investiert, nimmt die eigene Organisation mit auf eine Reise. Die Organisation lernt, verbessert sich kontinuierlich und baut kumulativen Nutzen auf.
Je schneller Unternehmen heute Meter machen, desto größer wird der langfristige Nutzen sein.
Fazit: GEO aus Unternehmersicht – eine strategische Notwendigkeit
Das Gespräch mit Erik Siekmann zeigt: GEO ist keine Nischendisziplin, sondern eine strategische Notwendigkeit für Unternehmen, die in der neuen Ära der Suche erfolgreich sein wollen.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- GEO ist relevant für alle Unternehmen, die Wertschöpfung mit Kund:innen machen – Ausnahmen sind nur Monopolisten und durchfinanzierte Organisationen.
- GEO vereint Performance und Branding in einem Kanal und deckt den gesamten Funnel ab.
- Die Budgetallokation sollte aktuell bei etwa 80% SEO und 20% GEO liegen – mit steigender Tendenz für GEO.
- GEO sollte dort organisatorisch verankert sein, wo Umsatz verantwortet wird – nicht nur Brand.
- Die Messbarkeit ist begrenzt, aber das ist kein Grund, nicht zu investieren. Kundenverhalten ist der beste Indikator für Wert.
- Frühe Investitionen zahlen sich durch einen doppelten Compounding-Effekt aus – extern (Marktposition) und intern (organisatorisches Lernen).
Dies war die letzte Folge der vierteiligen Experteninterviewreihe. Weitere Interviews werden folgen. Bis dahin: Bleibt neugierig.
Weitere GEO Know How Folgen
















































