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Folge 39: OMR-Gründer über GEO als Branding-Kanal – Interview mit Philipp Westermeyer

In dieser Folge der GEO Know How Academy spricht Andre Alpar mit Philipp Westermeyer, Medienunternehmer und Gründer der OMR. Das Gespräch bietet einen praxisnahen Einblick in die Perspektive eines Unternehmers, der sowohl Performance- als auch Branding-Marketing aus erster Hand kennt.

Philipp teilt seine Erfahrungen mit KI-Systemen im Alltag, ordnet GEO als Marketingkanal ein und diskutiert die Herausforderungen der Erfolgsmessung. Dabei geht es um zentrale Fragen: Ist GEO ein Branding- oder Performance-Kanal? Wie rechtfertigt man Investitionen, wenn Attribution schwierig ist? Und welche Geschäftsmodelle sind durch die Veränderungen im Suchverhalten besonders betroffen?

Ein Gespräch über Chancen, Risiken und die strategische Einordnung von GEO aus der Sicht eines erfahrenen Digitalunternehmers.

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Philipp Westermeyer: Medienunternehmer mit Blick auf GEO

Philipp Westermeyer ist Gründer und Geschäftsführer der OMR (Online Marketing Rockstars), einer der führenden Plattformen für digitales Marketing in Europa. Mit der OMR-Konferenz, OMR Reviews und weiteren Formaten hat er ein Medienunternehmen aufgebaut, das tief in der digitalen Marketingbranche verwurzelt ist.

In diesem Interview teilt Philipp seine Perspektive auf GEO – nicht als Theoretiker, sondern als Praktiker, der täglich mit den Auswirkungen von KI-Systemen auf Traffic, Sichtbarkeit und Geschäftsmodelle konfrontiert ist.

Google als größte KI-App im Alltag

Auf die Frage, wie Philipp KI-Systeme im Alltag nutzt, antwortet er überraschend pragmatisch: Google ist nach wie vor seine wichtigste KI-Anwendung. Die Grenzen zwischen klassischer Suche und KI-gestützten Antworten verschwimmen zunehmend – manchmal liefert Google traditionelle Suchergebnisse, manchmal KI-generierte Overviews oder Gemini-Antworten.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Niedrigere Einstiegshürde: KI-Systeme machen es deutlich einfacher, Fragen zu stellen. Früher musste man ein konkretes Bedürfnis haben, um Google zu nutzen – heute ist die Schwelle viel niedriger.
  • Keine bewusste Systemwahl: Philipp entscheidet nicht aktiv, ob er Google, Gemini oder ChatGPT nutzt – oft bestimmt das System selbst, wie es die Anfrage behandelt.
  • Google dominiert weiterhin: Trotz der Verfügbarkeit spezialisierter KI-Tools bleibt Google die zentrale Anlaufstelle für die meisten Suchanfragen.

Diese Beobachtung ist wichtig für die strategische Einordnung von GEO: Die Nutzer:innen wechseln nicht massenhaft zu neuen Plattformen – stattdessen verändert sich die Art, wie bestehende Plattformen Antworten liefern.

Relevanz von GEO: Für wen ist Sichtbarkeit in KI-Systemen wichtig?

Philipp ordnet GEO klar ein: Für die meisten Unternehmen ist Sichtbarkeit in KI-Systemen hochrelevant – mit wenigen Ausnahmen.

Unternehmen, für die GEO weniger relevant ist:

  • Sehr lokale Geschäfte (z. B. der Edeka-Markt um die Ecke)
  • Unternehmen ohne Online-Präsenz oder digitale Vertriebskanäle

Unternehmen, für die GEO hochrelevant ist:

  • National tätige Firmen mit Online-Leadgenerierung
  • E-Commerce und Online-Abverkauf
  • Hotels, Reiseanbieter und andere Dienstleister mit digitaler Kundenakquise

Die Parallele zur klassischen SEO-Ära ist offensichtlich: Wer online gefunden werden muss, kommt an GEO nicht vorbei. Das Thema ist das neue große Thema im digitalen Marketing.

Branded Prompts: Sichtbarkeit bei markenspezifischen Anfragen

Ein besonders interessanter Aspekt des Gesprächs: Was passiert, wenn Nutzer:innen nicht nach Alternativen suchen, sondern sich gezielt über eine bestimmte Marke informieren wollen?

Beispiel: Statt zu fragen „Was sind die besten Online-Marketing-Konferenzen in Europa?“ fragt jemand „Was sind die Vor- und Nachteile der OMR?“

Philipp betont: Genau hier beginnt der Funnel heute viel früher. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass KI-Systeme auch bei markenspezifischen Anfragen Antworten liefern – und diese Antworten können positiv oder negativ ausfallen.

Die Konsequenz für Unternehmen:

  • Listen erstellen, die KI-Systeme bevorzugt nutzen
  • Inhalte schaffen, die von KI-Systemen als vertrauenswürdig eingestuft werden
  • Sich auf Fragen vorbereiten, die Nutzer:innen über die eigene Marke stellen könnten

Die OMR arbeitet aktiv daran, genau das zu tun – und sieht darin eine zentrale Aufgabe im modernen Marketing.

Herausforderungen bei OMR Reviews: Wenn KI-Systeme Listen übernehmen

Ein konkretes Beispiel aus Philipps Geschäftsalltag zeigt die Komplexität von GEO: OMR Reviews ist eine Plattform für Software-Bewertungen. Die Plattform erstellt neutrale Rankings und Listen – und genau diese werden von KI-Systemen häufig übernommen und ausgespielt.

Das Problem:

  • Software-Anbieter, die in den Listen erscheinen, sind manchmal unzufrieden mit ihrer Position
  • Software-Anbieter, die nicht in den Listen erscheinen, beschweren sich über ihre Abwesenheit
  • OMR Reviews hat keinen direkten Einfluss darauf, welche Listen KI-Systeme letztlich auswählen und ausspielen

Philipp beschreibt das Ökosystem als „sehr lebend“ – es ist dynamisch, schwer kontrollierbar und erfordert ständige Anpassung. Die Rolle als neutrale Instanz wird durch die Übernahme der Inhalte durch KI-Systeme zusätzlich kompliziert.

GEO als Marketingkanal: Branding oder Performance?

Eine der zentralen Fragen des Interviews: Ist GEO ein Branding-Kanal oder ein Performance-Kanal?

Philipps Antwort ist differenziert: GEO hat sich im Vergleich zu klassischem SEO deutlich in Richtung Branding verschoben.

Früher: SEO als Performance-Kanal

Klassisches SEO war stark performance-orientiert: Klick, Conversion, messbarer ROI. Der Clickout war nah und direkt messbar.

Heute: GEO als Branding-Kanal

KI-Systeme liefern häufig Antworten, ohne dass Nutzer:innen auf eine Website klicken. Marken tauchen in Listen und Empfehlungen auf – ohne direkten Clickout. Das ist klassisches Branding: Sichtbarkeit, Wiederholung, Markenwahrnehmung.

Philipps Fazit: Wer GEO nur mit Performance-Marketing-Budgets und abverkaufsorientierter Logik angeht, greift zu kurz. Der Kanal generiert Millionen von Aufrufen und schafft Markenpräsenz – das muss in der Budgetplanung berücksichtigt werden.

Die strategische Konsequenz:

  • GEO sollte nicht ausschließlich dem Performance-Marketing-Team zugeordnet werden
  • Branding-Budgets müssen in GEO-Maßnahmen fließen
  • Erfolgsmessung muss über direkte Conversions hinausgehen

Budgetverteilung: SEO vs. GEO

Auf die hypothetische Frage, wie Philipp als CMO eine Million Euro Budget auf SEO und GEO verteilen würde, antwortet er vorsichtig: Es kommt darauf an.

Entscheidende Faktoren:

  • Vertical: Wie stark ist GEO in der jeweiligen Branche bereits relevant?
  • Defend oder Conquer: Geht es darum, bestehende Positionen zu verteidigen oder neue Märkte zu erobern?
  • Kurzfristige Erfolge: GEO bietet die Chance, schneller Fortschritte zu erzielen als in etablierten SEO-Märkten
  • Wettbewerbssituation: In vielen Bereichen ist GEO noch weniger umkämpft als SEO

Philipps Tendenz: Aufgrund der großen Relevanz von GEO in bestimmten Bereichen und der Möglichkeit, schneller Erfolge zu erzielen, würde er einen signifikanten Teil des Budgets in GEO investieren – insbesondere wenn kurzfristige Fortschritte gegenüber Investor:innen oder Vorgesetzten gezeigt werden müssen.

SEO ist seit vielen Jahren etabliert – dort sind Überraschungserfolge von heute auf morgen kaum noch möglich. GEO bietet diese Chance noch.

Erfolgsmessung und Attribution: Die alte Herausforderung in neuem Gewand

Ein zentrales Problem bei GEO: Wie misst man den Erfolg, wenn der direkte Clickout fehlt?

Philipp relativiert die Sorge: Attributionsmodelle waren nie perfekt. Auch im klassischen Online-Marketing wusste man ab einer gewissen Budgetgröße nie mit letzter Sicherheit, welcher Kanal genau welchen Beitrag geleistet hat.

Philipps Empfehlung:

  • GEO-Tools nutzen: Es gibt mittlerweile Tools, die Sichtbarkeit in KI-Systemen messen und Reichweiten approximieren können
  • Transparenz schaffen: Auch wenn die Messung nicht perfekt ist – sie ist besser als nichts
  • Bei kleineren Budgets: Direkte Korrelationen zwischen GEO-Maßnahmen und Verkäufen sind oft noch erkennbar
  • Approximation akzeptieren: Man muss sich der Sache annähern – perfekte Attribution gibt es nicht

Wichtig: Wer Online-Marketing als Kernwertschöpfung betreibt, kommt an GEO-Messung nicht vorbei. Die Chance besteht, große Budgets zu rechtfertigen – auch ohne perfekte Clickout-Messung.

GEO als neue Chance: Vergleich mit SEO 2004

Ist GEO heute das, was SEO 2004 war – eine riesige Lücke, die man günstig besetzen kann?

Philipp ist vorsichtig optimistisch: Die Google-Lücke von damals war gigantisch. Unternehmen wie Zalando, Idealo und viele andere DAX- und MDAX-Konzerne wurden auf dem Rücken dieser Lücke aufgebaut. Die Frage ist: Ist die GEO-Lücke heute ähnlich groß?

Philipps Einschätzung:

  • The jury is still out: Ob auf Basis von GEO DAX-Konzerne entstehen, wird sich zeigen
  • Es gibt definitiv eine Lücke: Traffic, Aufmerksamkeit und Wissenslücken bei großen Playern sind vorhanden
  • Für Entrepreneur:innen interessant: Wer ohne große Investoren gründen will, sollte sich die GEO-Lücke jetzt ansehen
  • Affiliate-Potenzial: Auch für Affiliates gibt es wahrscheinlich Möglichkeiten

Fazit: Die Lücke ist vielleicht nicht so groß wie damals bei Google – aber sie ist da. Und wer jetzt einsteigt, hat deutlich bessere Chancen als in etablierten SEO-Märkten.

Neue Player im GEO-Ökosystem

Philipp beobachtet aus seiner netzwerkartigen Position heraus, welche Player durch GEO an Sichtbarkeit gewinnen:

Agenturen:

  • Claneo und ähnliche Agenturen positionieren sich stark im GEO-Bereich
  • Etablierte SEO-Agenturen erweitern ihr Portfolio um GEO

Tools:

  • Neue GEO-Tools wie die in der Branche diskutierten Anbieter gewinnen an Dominanz
  • Etablierte SEO-Tools wie Sistrix stehen vor der Herausforderung, ihr Geschäft zu transformieren

Philipp findet es besonders interessant zu beobachten, wie alte Player wie Sistrix mit der Disruption ihres Geschäfts umgehen – eine krasse Herausforderung für etablierte Unternehmen.

Bedrohte Geschäftsmodelle: Publisher unter Druck

Welche Geschäftsmodelle sind durch GEO besonders gefährdet?

Philipp nennt klar die Publisher-Branche: Klassische Nachrichtenseiten ziehen deutlich weniger Traffic aus Google als früher. KI-Systeme liefern Antworten direkt – ohne Clickout auf die ursprüngliche Quelle.

Betroffene Bereiche:

  • Publisher: Weniger Traffic, weniger Werbeeinnahmen
  • Vermarkter: Dienstleister, die stark auf Publisher-Traffic angewiesen sind

Aber: Philipp bleibt optimistisch. Marketingbudgets sind immer ein Prozentsatz des BIP – das Geld verschwindet nicht, es fließt nur woanders hin. Die Frage ist: Wer profitiert?

Beispiel Idealo: Philipp fragt sich, wie Idealo trotz weniger Clickouts und SEO-Traffic weiterhin so erfolgreich sein kann. Die Antwort: Idealo hat die neue Welt verstanden, hat eine starke App und andere Traffic-Quellen erschlossen.

Fazit: Geschäftsmodelle verschwinden nicht – sie transformieren sich. Wer sich anpasst, überlebt. Wer starr bleibt, gerät unter Druck.

Fazit: GEO aus Unternehmersicht

Das Gespräch mit Philipp Westermeyer liefert wertvolle Einblicke in die praktische Relevanz von GEO aus der Perspektive eines erfahrenen Digitalunternehmers.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • GEO ist für die meisten Unternehmen hochrelevant – Ausnahmen sind sehr lokal tätige Geschäfte ohne Online-Präsenz
  • GEO ist primär ein Branding-Kanal – die Verschiebung von Performance zu Branding muss in der Budgetplanung berücksichtigt werden
  • Erfolgsmessung ist herausfordernd, aber möglich – Tools und Approximation helfen, auch wenn perfekte Attribution fehlt
  • Es gibt eine GEO-Lücke – vielleicht nicht so groß wie die Google-Lücke 2004, aber definitiv eine Chance für Entrepreneur:innen
  • Publisher sind besonders betroffen – aber Marketingbudgets verschwinden nicht, sie fließen nur woanders hin
  • Anpassung ist entscheidend – wer die neue Welt versteht und sich anpasst, hat Chancen

Philipp Westermeyers Perspektive zeigt: GEO ist kein theoretisches Konstrukt, sondern eine reale Veränderung im digitalen Marketing, die Unternehmen ernst nehmen müssen – strategisch, budgetär und operativ.

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      Quadrate und Foto von lächelnder Mitarbeiterin
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      Claneo ist eine SEO- und GEO-Agentur mit Sitz in Berlin, gegründet 2017. Das Team aus über 80 Expert:innen betreut internationale Kund:innen in mehr als zehn Sprachen und ist BVDW-zertifiziert sowie OMR Reviews Proud Partner in den Kategorien SEO und GEO 2026. Claneo veröffentlichte das erste deutschsprachige Fachbuch zu Generative Engine Optimization und richtet die Konferenz GEO KNOW HOW aus.
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