Zum Hauptinhalt springen

Folge 37: GEO aus Investorensicht – Florian Heinemann über Relevanz, Credibility und die Zukunft der Suche

In dieser besonderen Folge der GEO Know How Academy spricht Florian Heinemann: erfolgreicher Investor, Gründer von Project A Ventures und langjähriger Online-Marketing-Experte über seine Perspektive auf Generative Engine Optimization. Wie nutzen Investor:innen KI-Systeme in ihrem Arbeitsalltag? Welche Unternehmen sollten sich mit GEO beschäftigen? Und wie bewertet ein erfahrener VC die strategische Relevanz von Sichtbarkeit in KI-Systemen?

Florian gibt Einblicke in seine eigene Nutzung von KI-Tools für Branchenrecherchen, Wettbewerbsanalysen und Beiratsvorbereitung. Er erklärt, warum GEO sowohl Performance- als auch Branding-Charakter hat, vergleicht Investitionen in GEO mit R&D und zeigt auf, welche Portfolio-Unternehmen bereits aktiv an ihrer Sichtbarkeit in Large Language Models arbeiten.

Eine Folge mit strategischer Tiefe – für alle, die GEO nicht nur operativ, sondern auch aus Investoren- und Geschäftsführungsperspektive verstehen wollen.

Bitte Präferenz-Cookies akzeptieren, um das Video zu sehen.

Wie Investor:innen KI-Systeme nutzen – Florians Arbeitsalltag

Als Venture Capitalist steht Florian Heinemann regelmäßig vor der Herausforderung, sich schnell in neue Branchen einzuarbeiten. Wenn ein Startup aus einem unbekannten Bereich pitcht, müssen Mega-Trends, wesentliche Marktteilnehmer und technologische Entwicklungen in kürzester Zeit erfasst werden.

Früher: Diese Aufgabe übernahm ein Analyst mit Google-Recherchen.
Heute: Florian nutzt KI-Systeme wie Claude oder Gemini für interaktive Recherchen – schneller, tiefer, effizienter.

Branchenrecherche

Branchenüberblicke, Wettbewerbsanalysen, Identifikation von Schlüsselakteuren – alles in einem interaktiven Dialog mit dem KI-System.

Wettbewerbsvergleiche

Vergleich von Finanzreportings verschiedener Unternehmen (z. B. Trade Republic vs. Robinhood vs. Avanza) – Gross-Margin-Entwicklung, Umsatzquellen, strategische Verschiebungen.

Beiratsvorbereitung

Alte Board Decks und Reportings von Startups hochladen, Abweichungen identifizieren, Entwicklungen nachvollziehen.

Google weiterhin für spezifische Fragen

Längere, komplexere Suchanfragen bei Google – z. B. Wo habe ich die beste Sicht in der Uber Arena, wenn ich mit den Kindern zum Basketball gehen möchte?

Für welche Unternehmen ist GEO relevant?

Florians klare Antwort: Für nahezu jedes Unternehmen, das Kunden, Partner oder Mitarbeitende gewinnen möchte.

Unternehmen, die weder Kunden noch Partner noch Mitarbeitende brauchen? Wird eng, sagt Florian. In der Regel benötigen Unternehmen alle drei Gruppen – und alle drei recherchieren zunehmend in KI-Systemen.

Besonders relevant wird GEO bei:

  • Rechercheintensiven Produkten und Dienstleistungen
  • Komplexen Kaufentscheidungen (B2B und B2C)
  • Unternehmen, die auf Vertrauen und Expertise angewiesen sind

Markenrecherche: Was wird über mein Unternehmen gesagt?

Wenn potenzielle Kund:innen, Investor:innen oder Talente gezielt nach einem Unternehmen recherchieren, erwarten sie fundierte, aussagekräftige Informationen. Florian betont: Die Recherchetiefe hat sich durch KI-Systeme massiv erhöht.

Was Unternehmen tun sollten:

  • Aussagekräftigen Content bereitstellen (Über-uns-Seiten, Pressespiegel, Interviews)
  • Inhalte leicht auffindbar machen
  • Dafür sorgen, dass mindestens 80 % der verfügbaren Informationen die gewünschten Botschaften transportieren

Kandidat:innen und Unternehmer:innen sind heute besser vorbereitet – weil die Recherche einfacher geworden ist. Wer aussagekräftige Inhalte leicht zugänglich macht, profitiert von informierteren, besser vorbereiteten Gesprächspartner:innen.

Performance oder Branding? Beides.

Ist GEO ein Performance- oder ein Branding-Kanal? Florians Antwort: Beides.

Upper Funnel: Recherche und Orientierung

Nutzer:innen, die sich allgemein über ein Thema informieren, befinden sich im Upper Funnel. KI-Systeme liefern Überblicke, Orientierung, erste Einschätzungen. Wer hier sichtbar ist, baut Markenbekanntheit und Vertrauen auf.

Lower Funnel: Konkrete Kaufentscheidungen

Florian selbst nutzt KI-Systeme für die Recherche von Städtereisen – die eigentliche Buchung erfolgt dann über spezialisierte Plattformen. Hier wird GEO zum Performance-Kanal: Die Recherche führt direkt zur Conversion.

Fazit: GEO deckt die gesamte Funnel-Breite ab. Unternehmen sollten für alle Phasen der Customer Journey geeignete Inhalte bereitstellen, damit KI-Systeme diese kontextspezifisch ausspielen können.

Praxisbeispiele: Welche Unternehmen machen GEO bereits bewusst?

Florian nennt konkrete Beispiele aus dem Portfolio von Project A:

Lampenwelt: Beleuchtung und Einrichtung

Lampenwelt (Teil der Lukom-Holding) ist Europas führender E-Commerce-Player für Lampen und Leuchten. Einrichtung ist ein rechercheintensives Thema – viele Nutzer:innen planen Räume mit KI-Tools wie ChatGPT oder nutzen Bild-KIs für Inspiration.

GEO-Strategie: Inhalte so aufbereiten, dass KI-Systeme verstehen, welche Beleuchtung für welchen Raum sinnvoll ist, wie LED-Technologie funktioniert und wie Smart-Home-Integration möglich ist. Ziel: Als relevante Quelle für Recherche und Shopping Execution wahrgenommen werden.

Trade Republic & Liquid: Geldanlage

Geldanlage ist beratungsintensiv. Nutzer:innen stellen sich Fragen wie: Welcher Aktienanteil ist richtig? Wie stelle ich ein Portfolio zusammen? Neobroker wie Trade Republic oder Liquid müssen Inhalte bereitstellen, die KI-Systeme als relevant erkennen – für Recherche und Entscheidungsfindung.

Florians Beobachtung: GEO ist noch nicht so systematisch verbreitet wie SEO vor einigen Jahren. Der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ist diffuser, die Messbarkeit weniger transparent. Aber: Die Relevanz nimmt zu – und erste Unternehmen investieren bereits gezielt.

Budget-Verteilung: 50/50 zwischen SEO und GEO?

Wenn Florian heute CMO wäre und 1 Million Euro Budget auf SEO und GEO verteilen müsste – was würde er tun?

Seine Antwort: 50/50.

Warum? Viele Maßnahmen gehen Hand in Hand. Hochwertiger Content, der für SEO relevant ist, hilft auch für GEO. Es gibt Spezifika für beide Disziplinen, aber die Überschneidungen sind groß.

Wichtige Beobachtungen:

  • Der GEO-Anteil wird zunehmen
  • Google nähert sich funktional immer stärker LLMs an
  • Suchverhalten konvergiert: Längere, komplexere Suchanfragen werden zur Norm
  • SEO und GEO sind mittelfristige Projekte – keine Quick Wins

Warum in GEO investieren, wenn die Messbarkeit diffus ist?

Florian zieht eine Analogie zu klassischer Upper-Funnel-Werbung: Warum schalten Marken Werbung vor der Tagesschau oder auf Out-of-Home-Flächen? Weil Werbeplatzierung Seriosität und Status signalisiert.

GEO hat ähnliche Effekte – mit entscheidenden Vorteilen:

Hohe Credibility

LLMs genießen in der Nutzerschaft eine hohe Glaubwürdigkeit. Empfehlungen wirken objektiv – objektiver als gekaufte Werbeplatzierungen.

Kontextspezifisch

KI-Systeme liefern Antworten im Kontext der Suchanfrage. Kein Streuverlust wie bei klassischer Werbung.

Trust-Faktor

Wer in KI-Systemen sichtbar ist, profitiert von einem Trust-Faktor, der stärker wirkt als klassische Werbung – weil die Empfehlung als neutral wahrgenommen wird.

Florians Einschätzung: Upper-Funnel-Werbung mit hohem Trust, geringem Streuverlust und kontextspezifischer Aussteuerung – das ist ziemlich optimal. Die Herausforderung: Die Ursache-Wirkung-Beziehung ist diffuser als bei klassischem SEO.

GEO als R&D-Investment

Florian vergleicht Investitionen in GEO mit Research & Development. Warum?

  • Lernen durch Rechercheverhalten: Wer versteht, wonach Menschen suchen oder prompten, kann Produkte und Services besser entwickeln
  • Produktentwicklung basierend auf Nutzerverhalten: Beispiel Sun Natural – Produktportfolio wurde nach Google-Shopping-Suchvolumen erweitert
  • Rückkopplung für die eigene Strategie: Welche Dimensionen sind für Kaufentscheidungen relevant? Was sagen LLMs über Produktkategorien?

GEO ist nicht nur Marketing – es ist strategische Marktforschung.

Wenn der Klick als Messinstrument verloren geht

Ein zentrales Problem: Viele Recherchen finden in KI-Systemen statt, ohne dass ein Klick auf die Website erfolgt. Wie misst man dann Erfolg?

Florians Perspektive: Nur weil Klicks verloren gehen, heißt das nicht, dass Marktanteile verloren gehen. Entscheidend ist, an welcher Stelle im Funnel der Klick erfolgt. Wenn die Relevanz im gesamten Themenbereich steigt, können Klicks im Upper Funnel sinken – während Conversions im Lower Funnel steigen.

Lösungsansatz: GEO-Sentiment-Score

Ähnlich wie bei Social Media gibt es Social-Sentiment-Analysen. Für GEO wird es GEO-Sentiment- oder Relevanz-Scores geben müssen. Diese sind weniger akkurat als SEO-Rankings, aber:

  • Relative Veränderungen sind interpretierbar
  • Vergleich zum Wettbewerb ist möglich
  • Entwicklung über Zeit zeigt Trends

Wichtig: Die Basis nicht ständig ändern. Konstante Messmethodik ermöglicht Ursache-Wirkung-Analysen.

In welche Unternehmen würde Florian nicht investieren?

Abschlussfrage: In welche Art von Unternehmen würdest du als VC nicht investieren, wenn sie sich nicht mit GEO beschäftigen?

Florians Antwort: Jedes Unternehmen mit komplexeren Produkten, bei denen Informationsrecherche vorausgeht.

  • B2B: Fast immer relevant – außer bei Commodities wie Klopapier
  • B2C: Relevant bei teuren und rechercheintensiven Produkten

Selbst bei Mode beginnt ab einem gewissen Preispunkt die Recherche: Materialien, Langlebigkeit, Pflegehinweise. Früher hätte niemand 30 Minuten investiert, um den Unterschied zwischen zwei Pullovern zu verstehen. Heute ist das mit KI-Systemen in wenigen Minuten möglich – und wird deshalb häufiger gemacht.

Fazit: Jedes Unternehmen sollte zumindest eine bewusste Antwort darauf haben, ob und wie GEO für das eigene Geschäftsmodell relevant ist.

Fazit: GEO aus Investorensicht

Florian Heinemanns Perspektive zeigt: GEO ist keine Nischendisziplin für Early Adopters – es ist eine strategische Notwendigkeit für Unternehmen, die in einer Welt sichtbar bleiben wollen, in der Recherche zunehmend in KI-Systemen stattfindet.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • KI-Systeme haben hohe Credibility – Sichtbarkeit dort wirkt wie objektive Empfehlung
  • GEO ist Performance und Branding zugleich – je nach Funnel-Phase
  • Investitionen in GEO sind vergleichbar mit R&D – strategische Marktforschung inklusive
  • Messbarkeit ist diffuser als bei SEO, aber relative Veränderungen sind interpretierbar
  • 50/50-Budget-Verteilung zwischen SEO und GEO ist ein guter Startpunkt
  • Unternehmen mit komplexen, rechercheintensiven Produkten sollten GEO priorisieren

GEO ist kein Hype – es ist die logische Konsequenz veränderter Recherche- und Suchgewohnheiten. Wer jetzt investiert, baut Wissen und Marktposition auf, während andere noch abwarten.

Weitere GEO Know How Folgen

    Quadrate
    Jetzt keine Folge mehr verpassen!
    Jetzt für unseren GEO Know How Newsletter anmelden

      Melde dich für folgenden Newsletter an



      You found us - now let us help you to be found!

      Jetzt Kontaktformular ausfüllen.
      Wir melden uns bei Ihnen so schnell wie möglich zurück.


      Quadrate und Foto von lächelnder Mitarbeiterin
      Quadrate und Foto von lächelnder Mitarbeiterin
      Claneo Logo
      Revaler Straße 30
      10245 Berlin, Deutschland

      Claneo ist eine SEO- und GEO-Agentur mit Sitz in Berlin, gegründet 2017. Das Team aus über 80 Expert:innen betreut internationale Kund:innen in mehr als zehn Sprachen und ist BVDW-zertifiziert sowie OMR Reviews Proud Partner in den Kategorien SEO und GEO 2026. Claneo veröffentlichte das erste deutschsprachige Fachbuch zu Generative Engine Optimization und richtet die Konferenz GEO KNOW HOW aus.
      +49 30 76731 90 00