Folge 38: Digital PR als GEO-Taktik – Wie Pressearbeit indirekte Citations generiert
Digital PR ist eine der wirkungsvollsten Offpage-Taktiken im GEO – und gleichzeitig eine Hybridform aus Onpage- und Offpage-Maßnahmen. Während am Anfang die Content-Erstellung auf der eigenen Website steht, entfaltet sich die eigentliche Wirkung durch Platzierungen in autoritativen Medien.
In dieser Folge zeigen Maggie Mues und Sophie Nagel, wie Digital PR im GEO-Kontext funktioniert, welche konkreten Schritte bei einer Kampagne umgesetzt werden und wie sich der Erfolg messen lässt. Anhand zweier Praxisbeispiele – der Jacasa Silver-Tsunami-Studie und der MediaMarkt TV-Check-Kampagne – wird deutlich, wie Pressearbeit neue, zitierwürdige Quellen schafft und indirekte Citations in KI-Systemen generiert.
Besonders spannend: Digital PR wirkt nicht nur auf KI-Systeme, sondern auch auf klassische Suchmaschinenoptimierung, Social Media und Markenbekanntheit – ein Hebel mit breiter Wirkung.
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Inhaltsverzeichnis
ToggleDigital PR im GEO-Kontext: Einordnung und Besonderheiten
Digital PR gehört zum Offpage-Bereich im GEO – genauer gesagt zum Influenced Offpage. Anders als bei Controlled Offpage-Maßnahmen (z.B. eigene Social-Media-Kanäle) werden hier Inhalte auf Plattformen platziert, die nicht direkt vom Unternehmen kontrolliert werden.
Die Besonderheit: Digital PR ist streng genommen eine Hybridform aus Onpage- und Offpage-Maßnahmen. Am Anfang steht immer die Content-Erstellung auf der eigenen Website – etwa eine datengetriebene Studie mit Grafiken und Auswertungen. Erst im zweiten Schritt wird dieser Content an Medien gepitcht und dort platziert.

Controlled vs. Influenced Offpage
Im GEO unterscheiden wir zwei Unterformen von Offpage-Maßnahmen:
- Controlled Offpage: Plattformen, die das Unternehmen selbst kontrolliert (YouTube-Kanal, Social-Media-Accounts, Branchenverzeichnisse)
- Influenced Offpage: Plattformen, die nicht direkt beeinflussbar sind (Presseberichte, Diskussionsforen, Testberichte, Bewertungsplattformen)
Digital PR fällt in die Kategorie Influenced Offpage – die Veränderung oder Beeinflussung ist aufwändiger, aber die Wirkung auf Autorität und Citations ist besonders stark.
Ziele von Digital PR im GEO
Im Offpage-GEO verfolgen wir drei zentrale Ziele:
- Indirekte Citations generieren (Hauptziel bei Digital PR)
- Mentions erhalten
- Sentiment verbessern
Bei Digital PR geht es vor allem darum, neue Quellen zu schaffen, die von KI-Systemen als zitierwürdig eingestuft werden. Durch Platzierungen in autoritativen Medien entstehen indirekte Citations – KI-Systeme zitieren die Presseberichte, die wiederum auf die eigene Studie oder Marke verweisen.
Was ist Digital PR? Definition und Abgrenzung
Digital PR ist die Erweiterung der klassischen PR um digitale Komponenten. Der entscheidende Unterschied zu klassischen PR-Agenturen: Neben Markenerwähnungen in Medien werden gezielt Backlinks und Verlinkungen angestrebt. Dies trägt zur Markenbekanntheit bei und stärkt die SEO-Performance.
Die Herausforderung liegt darin, aus Daten eine spannende Geschichte zu entwickeln, die für Medien interessant ist und Newswert hat. Gleichzeitig besteht – wie fast immer im GEO – die Herausforderung mit dem Tracking: Die Ergebnisse sind aufgrund des Kanalbruchs nicht immer lückenlos messbar.
Brand PR bezieht sich auf den Markenkern und die Positionierung der Marke selbst. Hier geht es um Themen, die direkt mit der Markenidentität verknüpft sind.
Daten-PR basiert auf datengetriebenen Geschichten. Drei Möglichkeiten stehen zur Verfügung:
- Umfragen: Eigene Befragungen durchführen und auswerten
- Daten recherchieren: Daten aus Behörden und Statistikämtern zusammentragen und neu aufbereiten
- Interne Daten nutzen: Unternehmen sitzen oft auf einem riesigen Datensatz, der bisher nicht genutzt wurde – hier lassen sich spannende Stories entwickeln
Das konkrete Vorgehen: Die vier Phasen einer Digital-PR-Kampagne
Eine Digital-PR-Kampagne folgt einem strukturierten Projektplan mit vier Phasen:
1. Zieldefinition
Gemeinsam mit dem Kunden wird definiert: Wo steht die Marke aktuell? Wo soll sie hin? Welche Themenfelder sollen besetzt werden? Welche Expert:innen sollen positioniert werden?
2. Ideenfindung
Entwicklung einer Story mit Newswert. Wichtig: Nicht auf bereits besetzte Themen aufspringen, sondern neue Themenfelder erschließen oder bestehende Themen aus neuer Perspektive beleuchten.
3. Produktion
Datenrecherche aus einer der drei Quellen (Umfragen, externe Daten, interne Daten), Aufbereitung der Ergebnisse, Erstellung von Content mit Grafiken, Tabellen und Rankings auf der eigenen Website.
4. Seeding und Erfolgsmessung
Aktives Seeding der Studie an Journalist:innen und Redaktionen. Erfolgsmessung durch Tracking von Clippings, Citations, Mentions und weiteren KPIs.
Praxisbeispiel 1: Die Jacasa Silver-Tsunami-Studie
Die Jacasa-Kampagne zeigt exemplarisch, wie Digital PR funktioniert – von der Ideenfindung bis zur messbaren Wirkung in KI-Systemen.
Ausgangssituation und Zieldefinition
Jacasa ist ein kleines Immobilienunternehmen ohne starke Markenautorität. Die Ziele waren klar definiert:
- Sichtbarkeit für die Marke aufbauen
- Den Gründer Björn als Experten in einem bestimmten Themenbereich positionieren
Die Herausforderung: Große Player wie Immowelt, ImmobilienScout und die Politik besetzen bereits viele Immobilienthemen. Ein neues Themenfeld musste erschlossen werden.
Die Idee: Der Silver Tsunami
Inspiration kam aus der Schweiz: Ein Redakteur hatte über den „Silver Tsunami“ geschrieben – das Phänomen, dass die geburtenstarke Babyboomer-Generation altersbedingt ihre Häuser vererben oder verkaufen wird. In ländlichen Regionen kann dies zu Leerstand führen, da weniger junge Menschen nachrücken und vermehrt in Städte ziehen.
Die Konsequenz: Ein großes Angebot trifft auf sinkende Nachfrage – mit möglichen Auswirkungen auf Immobilienpreise. Dieses Thema war in Deutschland noch nicht besetzt.
Die Umsetzung: Datenrecherche und Content-Erstellung
Für die Studie wurden historische Bevölkerungsdaten der Landkreise mit Eigentumsquoten kombiniert. Aus diesen historischen Daten wurde ermittelt, wie viele Immobilien in den einzelnen Landkreisen im Babyboomer-Besitz sind und welche Regionen besonders betroffen sein könnten.
Der Content wurde mit Grafiken, einer Deutschlandkarte und Rankings aufbereitet – medienfreundlich und visuell ansprechend.
Das Seeding: Zweistufige Medienansprache
Erste Stufe: Die Studie wurde an Bild.de gepitcht. Das Thema war so spannend, dass Bild es zwei Tage lang auf der Startseite platzierte – der „zweite Tsunami“ kam ins Rollen.
Zweite Stufe: Ansprache regionaler Medien. Landeszeitungen in spezifischen Landkreisen hatten einen doppelten Newswert: Sie konnten über den Silver Tsunami berichten und gleichzeitig die spezifischen Daten für ihren eigenen Landkreis veröffentlichen.
Die Ergebnisse: 130 Erwähnungen und breite Wirkung
Die Kampagne war außerordentlich erfolgreich:
- 130 Erwähnungen oder Verlinkungen in Medien
- Präsenz in jedem relevanten Medium
- Positionierung des Gründers Björn als Experten
- Aufbau von Sichtbarkeit für die Marke Jacasa
- Reichweite über klassische Medien hinaus: Social Media (Instagram Reels, Stories) griffen das Thema auf
Wirkung in KI-Systemen: ChatGPT und Google AI Overviews
Besonders spannend: Die messbare Wirkung in KI-Systemen. Direkt nach der Kampagne wurde ChatGPT gefragt: „Was ist der Silver Tsunami?“
Ergebnis in ChatGPT:
- Jacasa wird direkt verlinkt und die Studienergebnisse werden genannt
- Alle anderen zitierten Quellen sind Medien, die die Jacasa-Studie zitieren
Ergebnis in Google AI Overviews:
- Jacasa wird direkt verlinkt
- Viermal indirekte Verlinkung über Medienberichte
Das Thema „Silver Tsunami“ wurde durch die Kampagne vollständig besetzt – sowohl direkt als auch indirekt über Presseberichte.
Wirkung auf SEO: Explosion der markenbezogenen Suchanfragen
Digital PR wirkt nicht nur auf KI-Systeme, sondern auch auf klassische Suchmaschinenoptimierung:
- Vorher: 20-30 Klicks auf der Website
- Nach der Kampagne: 15-mal mehr Klicks und 20-mal mehr Impressions
Die Präsenz in fast allen relevanten Medien, kombiniert mit Social-Media-Diskussionen, führte zu einer breiten Wirkung über alle Kanäle hinweg.
Praxisbeispiel 2: MediaMarkt TV-Check zur WM 2026
Das zweite Beispiel zeigt, wie Digital PR auch für etablierte Marken funktioniert – mit Fokus auf Themenfeld-Positionierung statt Markenaufbau.
Die Kampagne: Interne Daten nutzen
Für MediaMarkt und Saturn wurden die Verkaufszahlen ausgewertet: Wo steht der teuerste und der größte Fernseher in Deutschland? Diese internen Daten wurden zur WM 2026 aufbereitet und exklusiv bei Bild.de platziert.
Das Ziel war nicht, Sichtbarkeit für die Marke MediaMarkt aufzubauen (als größter Player im Bereich Elektronik ist die Marke bereits bekannt), sondern MediaMarkt im Themenfeld „Fernseher“ zu positionieren und durch Aktualität die Erwähnungen aufrechtzuerhalten.
Tracking mit Peak AI: Branded und Non-Branded Prompts
Für die Erfolgsmessung wurden verschiedene Prompts in Peak AI angelegt – sowohl branded (mit Markennamen) als auch non-branded (ohne Markennamen).
Ergebnis:
- Am 10. Juni (Kampagnenstart) stieg die Visibility um 25 Prozent
- Alle zitierten Domains waren entweder MediaMarkt selbst oder Quellen, die die Studie zitieren
- 100 Prozent Sichtbarkeit beim Thema „Fernseher“ auf ChatGPT
Besonders bemerkenswert: MediaMarkt wurde auch bei informationsgetriebenen Fragen rund um Fernseher sichtbar – bei Suchanfragen, bei denen die Marke vorher keine Rolle spielte.
Warum News & Media-Seiten für Citations wichtig sind
Aktuelle Studien zeigen: KI-Systeme beziehen mindestens 20 Prozent ihrer Quellen aus News. Genau hier setzt Digital PR an – Themen werden in die Nachrichten gebracht.
Medien wie Bild.de sind für KI-Systeme besonders wertvoll, weil sie als vertrauenswürdig und autoritativ eingestuft werden. Eine Studie von Otterly AI (State of AI Search in 2025) zeigt: News & Media-Seiten machen 29,6 Prozent aller Citations bei ChatGPT aus – die zweitwichtigste Quelle nach Brand-Websites.
Das bedeutet: Fast jede dritte Citation stammt aus Nachrichten- und Medienseiten. Digital PR platziert Inhalte genau auf diesen Plattformen, die KI-Systeme bevorzugt nutzen.
Der Autoritätsfaktor: Domain Rating zählt
Eine weitere Studie von Sortlist/Omnia (Juni 2025) zeigt eine klare Korrelation: Je höher das Domain Rating (DR) einer Website, desto häufiger wird sie von ChatGPT als Citation ausgewählt.
Die Konsequenz für Digital PR: Es reicht nicht, irgendwo erwähnt zu werden. Platzierungen müssen auf starken, autoritativen Medienhäusern erfolgen. Ein Artikel auf Bild.de oder T-Online bringt für GEO deutlich mehr als zehn Erwähnungen auf kleinen Nischen-Blogs.
Fazit: Digital PR als wirkungsvoller Hebel im GEO
Digital PR ist eine der wirkungsvollsten Taktiken im GEO-Werkzeugkasten – mit breiter Wirkung über mehrere Kanäle hinweg.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Digital PR schafft zitierwürdige Quellen: Durch Platzierungen in autoritativen Medien entstehen neue Quellen, die KI-Systeme bevorzugt als Citations nutzen
- Autorität ist entscheidend: Hohes Domain Rating erhöht die Citation-Wahrscheinlichkeit erheblich
- Doppelte Wirkung: Direkte Citations (eigene Website) und indirekte Citations (Presseberichte über die Studie)
- Themenfelder besetzen: Digital PR positioniert Marken als Expert:innen in bestimmten Themenbereichen
- Breite Wirkung: Digital PR wirkt nicht nur auf KI-Systeme, sondern auch auf SEO, Social Media und Markenbekanntheit
- Hybridform nutzen: Die Kombination aus Onpage-Content-Erstellung und Offpage-Seeding macht Digital PR besonders wertvoll
Digital PR generiert indirekte Citations, verbessert Mentions und stärkt das Sentiment – und ist damit ein unverzichtbarer Bestandteil einer ganzheitlichen GEO-Strategie.
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